Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294411
IV. Kap. 
Erster Zeitraum. 
Die Alten. 
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ihren Schulen sind, der beste Neuere unter den Alten, und 
der beste Alte unter den Neuern. Ihm ward die Ehre, zwei 
Jahre lang Garofalo zu unterrichten, bevor dieser im Jahre 
1500 nach Rom ging. Von Boccaeeino sind am Fries des 
Doms die Geburt U. L. F. und andere Scenen aus ihrem und 
ihre göttlichen Sohnes Leben. Der Styl ist zum Theil eigen- 
ithümlieh, zum Theil dem des Pietro Perugino ähnlich, 
zu dessen Schüler Pascoli ihn macht; minder geordnet in 
der Compositien, in den Gesichtern minder lieblich, im Hell- 
dunkel minder stark, aber reicher in den Trachten, mannich- 
faltiger in den Farben, munterer in Gebärden, und vielleicht 
nicht minder harmonisch noch reizend in Landschaft und Bau- 
werk. Misfüllig sind manche Figuren, die 'in das Rohe fallen, 
weil sie mit Gewand überladen und nicht schlank genug sind; 
ein Fehler, den die alten Bildhauer sorgfältig vermieden, wie 
ich im 'dritten Capitcl bemerkte. Vasari sagt, er sei in 
Rom gewesen; ich stimme ihm darin bei, theils Weil auch 
Antonio Campi es anzudeuten scheint, theils weil ich in 
ihm augensehcinliche Spuren der Nachahmung Pietro's finde, 
wie in der Vermählung der Jungfrau Maria und in einem 
prächtigen, auf hohen Stufen aufgebauten Tempel, den Pie- 
tro mchrmal wiederholte. Man hat auch bemerkt, dass seine 
Madonna in S. Vincenzo, nebst dem Kirchenhciligen und An- 
mniug, Vanuccfs Arbeit scheinen; und in der That nä- 
hert er sich ihm auch in andern Bildern. Jedoch glaube ich 
zwar, dass Boccaccino Rom besucht habe, zugleich aber 
auch, dass, was bei Vasari und Baldinucci von ihm ge- 
sagt wird, wenn nicht erdichtet, doch sehr entstellt ist. 
Gehen wir es kurz durch! Sie sagen, er habe Michel- 
angelws Werke herabzusetzen gesucht und wel er durch 
seine Malerei in der Kirche zu Santa Maria Traspontina sich 
den Spott und das Geziseh der Künstler zugezogen, habe er, 
um nicht von allen Seiten her niedergemacht zu werden , nach 
seinem Cremona zurückkehren müssen. Diese und ähnliche 
Geschichtchen brachten die Lombarden in Wuth. Seannelli 
also in seinem Jllicrncosmo, Lamo im Discorso su la pittura, 
Campi in seiner Geschichte, erneuten die Klagen der übri- 
gen Schulen über Vasari; Zaist führt sie S. 72 an und 
fügt eine eigene Abhandlung hinzu, diese Erzählung Lügen zu
        

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