Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294250
111. Kap. 
II. Zeitr. 
Coreggio 
und 
seine Jünger. 
331 
gesäubert ist. Ich bemerke nur, dass BWancesco wegen die- 
ser unvollendet gelassenen Arbeit eingekerkert ward und nach- 
her flüchtig in Casale lebte, wo er bald, 37 Jahr alt, wie sein 
geliebter Raffael, starb. Er ward als eines der ersten Lich- 
ter nicht: nur der Malerei, sondern auch der Kupferstechcrkunsl: 
beweint; von letzterer schweige ich, um von meinem Zwecke 
nicht abzuschweifen. 
Parma schien Francesco gar nicht zu vermissen, da 
Girolamo di Michele Mazznola44), sein Vetter und Schii- 
ler, ihn überlebte. Seit 1520 waren sie zusammen und lebten 
Wol in diesem freundschaftlichen Verhältnis einige Jahre früher, 
als Francesco nach Rom ging, und nachdem er von dort 
zuriickkam. Aber dies gute Vernehmen mochte sich wol gelöst 
haben; denn Francesco setzte zwei Fremde-zu Erben ein 
und überging den Vetter. Dieser nnn ist ausser Parma und 
der Unxgegenrl nicht bekannt, verdient aber wohl es zu sein, 
besonders wegen seines starken Auftrags und der ganzen Kunst 
des Colorits, worin er wenig seines Gleichen hat." Man hat 
Grund zu glauben, dass einige dem Francesco zugeschrie- 
hcne Werke, besonders mit stärkern und heiterem Tinten, von 
diesem Künstler entweder ausgeführt, oder, wiederholt sind. Da. 
Girolamo nicht in Rom gewesen war, so war er Coreg- 
gio's Schule noch mehr als Franeeseo ergeben; in diesem 
Style malte er die Vermählung der heil. Katharina in der Kar- 
meliterkirche, und fiirwahr hat er ganz in ihrem Sinne gear- 
beitet. Er war in der Perspective treiilich, und in dem Abend- 
mahl U. H. im Speisesaal zu S. Giovanni hat er ein so schö- 
nes und tiiuschendes Gesiiul angebracht, dass es sich mit dem 
besten von Pozzo messen kann.  Ferner ist er leicht, har- 
monisch, von schönem Heildunkel und in grossen Wandbilder- 
Cßmpositionen fruchtbar, mannichfaltig, lebhaft. Keiner seiner 
Landsleute füllte die Kirchen in Parma mehr mit Oelbildern, 
44) Seine Küpferstiche sind eben so manierirt wie seine Bilder, 
und Andreas da. Meldolla, der oft mit ihm verwechselt wird, 
hat die {Terzerrung und Lüderlichkeit der Radirung noch weiter ge- 
trieben, Man muss jedoch Meldolla und Schiavune, welche 
oft für Eine Person gehalten wurden, wohl unterscheiden, so wie 
man JeneS Radirungen auch von denen des M azz 110 1a unterscheiden 
muss. Q.
        

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