Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294231
III. Kap. 
II. Zeitr. 
Coreggio 
und 
seine Jünger. 
329 
diesem Fehler gewöhnlich die langhälsige heisst 39); aber darin 
ist eiqwieder von Andern verteidigt worden. Auch das Colorit 
dient ihm zur Anmuth; er hiiltk es zumeist nieder, gemüssigt, 
bescheiden, gleichsam als fürchtete es dem Auge sich allzu leb- 
haft entgegen- und aufzudringen, wodurch im Betragen, wie 
in der Malerei die Anmuth vermindert wird. Urtheilt Albano 
richtig, so miihte sich Parmigianiilo nicht sehr um Aus- 
druck, wovon er wenig Beispiele gegeben, wenn anders nicht 
etwa eben die Anmuth, welche seine Kinder und andere zarte 
Figuren beseelt, den Namen Ausdruck verdient 40), oder, falls 
dieser bloss die Gcnxiithsbeivegmxgen anginge, ihn hinlänglich 
vertritt. Um dieser Anmuthwvillcn vergiebt man ihm eben 
Alles und auch Fehler scheinen an ihm 'l'ugenden. 
Er scheint langsam aufgefasst und angeschaut, und das 
ganze Gemälde erst in der Einbildungskraft entworfen zu haben, 
eh er zum Pinsel grifl"; dann aber führte er es auch schnell 
aus. Man trifft bei ihm so freie und entschiedene Pinselstriche, 
dass Alhano sie göttlich nennt und versichert, diese uner- 
rieohbare illcisterschaft, womit er jedoch Fleiss und Ausführung 
verband, habe er nur durch grosse Uebung im Zeichnen erlangt. 
Nicht alle seine Arbeiten sind gleich aufgetragen, noch von 
gleicher Wirkung; einige jedoch mit solcher Liebe üllsgeführt, 
dass sie Coreggio zugeschrieben wurden M). S0 der Amor, 
der den Bogen bereitet, zu dessen Fiissen zwei Kinder sind, 
das eine lachend, das andere weinend, der, ausser dem in (19,4 
kais. Gallerie, mein-mal wiederholt worden ist; so sehr gefiel 
er dem Künstler, oder Andern. Ich stimme hinsichtlich dieses 
i 
39) Er kann sich mit dem Beispiel der 'Alten entschuldigen, welche 
in bekleideten Standbildern dergleichen Verhältnisse vorzogen, um 
nicht: in Plumpheit zu verfallen. Auch die Länge der Finger rech- 
nete man zum Lobe an, wie. die Ausleger Cntulls zum 44_ Gedicht 
zeigen. Ein langer Halsvwirxl an Jungfrauen als Kuiistvorschrift hei 
Malvasia Th. l. S. 303 angegeben, und Lazzarini malte seine 
Madonnen immer nach dieser Regel. AlP diese Bemerkungen müssen 
freilich mit der Unzisichtfverstanden werden, die man in jeder Kungf 
voraussetzt und fordert, aber nicht lehren kann. L. 
40) Affßülüllnll, oder Ziererei möchte wol die richtige Benennung 
dieses Ausdrucks und dieser Aumuth sein.  
 41) Z. B. ein entsetzlich mauierirtes Bild in der Dresdner Galle- 
Tie, lllndonna und der heil. Sebastian, welche! man doch ja. nicht mit 
Coreggiws Sebastian van-wechsele, Q,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.