Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294221
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Oberitalien. 
Die Schüle 
zu Parma. 
dernswerth ist. Der genannte Lebensbeschreiber bemerkt, 
Parmigianino habe, nachdem er Coreggifs Arbeiten 
gesehen, sich ganz ihm hingegeben; und in jene Zeit gehören 
manche seiner Bilder, die offenbar Nachahmungen jenes Musters 
sind, wie die heil. Familie des Präsidenten Bertioli uml der 
heil. Bernardin bei den Osservanti in Parma. Dass er übri- 
gens mit Rondani und Anselmi eine Capelle neben "der 
Kuppel des Antonio zu malen beauftragt ward, beweiset, dass 
er im Style Aehnlichkeit mit ihm und Gelehrigkeit für seine 
Unterweisung hatte , wie die beiden Andern. Jedoch fühlte er 
ich zu sehr, um in einer Manier der Zweite zu sein, da er 
in einer andern der Erste seyn konnte. Dies ward er denn 
auch nachher; denn immer die vorbenannte Arbeit verschiebend, 
durchreiste er Italien, sah in lllantua Giulio, in Rom Raf- 
fael und bildete sich einen Styl, der unter die ureigenen ge- 
hört. Er ist gross, edel, würdevoll, häuft die Figuren nicht, 
aber lässt auch, schon. wenige ein grosses Fehl beherrschen; wie 
im heil. Roehus zu S. Petronio in Bologna, oder im Moses 
das Kirchgatters zu Parma, diesem berühmten llionochrom. 
Bei dem allem war dieses Künstlers Grundzug und Haupt- 
gabe die Anmuth, wesshalb man in Rom sagte, dass Raffaels 
'Geist auf ihn übergegangen sei 38). Darauf ging all sein Stre- 
ben hin. In seinen Zeichnungen sieht man immer mehr und 
mehr Versuche einer und derselben Figur, um in der Person, 
in der Bewegung, in der Leichtigkeit der Gewänder, worin er 
wundersam ist, die grösste Anmuth herauszufinden. Algarotti 
meinte, in den Köpfen übertriebe er dies zuweilen und veriiele 
in Süsslichkeit und Geziertheit, wie vielleicht auch schon Ago- 
stin Caracci andeutete, wenn er von einem Maler „etwa.s 
Anmuth des Parmigianino" forderte, nicht die ganze, die 
ihm überflüssig schien. Nach Andern war es ebenfalls übermäs- 
'siges 'l'rachten nach Anmuth, wenn er zuweilen zu lange Ver- 
hältnisse in dem Wuchse, den Fingern, dem Halse wählte, wie 
in der berühmten Madonna des Palastes Pitti, welche von 
38) Diese Versündigung an Raffael begehen doch jetzt nur noch 
Engländer. Noch vor einigen Jahren kaufte ein engliiclner Maler 
ein kleines Bild von Pur m igi an i u 0 für 2000 Thaler, in der Mel- 
nung, dass Raffaels Geist darauf übergegangen sei. Q.
        

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