Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294118
III. Kap. 
lI. Zeitr. 
Coreggio und seine Jünger. 
317 
ein anderer hält das deekellose Salbengefäss der Magtlalcne an 
die Nase. Was er in Composition leistete, heweiset die schon 
mehrmal gelobte Kuppel, wo die Architektur für die Compu- 
sition, nicht diese für jene da zu sein scheint. Er liebte die 
Gegensätze in Figuren sowol, als ihren Theilen; aber erhaschta 
nicht danach, noch trieb er sie so weit, dass darüber das An- 
gemessene und Wahre verloren! ging. Ausdruck besass er viel- 
leicht beispiellos in Darstellungen der Liebe, wie in der abge- 
Ilannten lllagdalena, die sich des göttlichen Kindes Fuss zu 
küssen anschiekt und so lieblich aussieht und sich bewegt, 
dass in der That in ihr alle hier und da von den Künstlern 
in ihren Arbeiten zerstreute Liebliehkeit Vereint scheint, wie 
Mengs weitläufig erörtert, und man also von ihr mit Recht 
Sagen kann: Qmnibzes um: omnes surripuit veneres (Chtull). 
Auch den Schmerz drückte er wunderbar und nach den Gegen- 
ständen wechselnd in dem todten Christus zu Parma aus; 
höchst zart ist er in der Magdalena, tief in U. L. F", miissig 
in dem andern Weihe. Finden sich bei ihm nicht viele Bei- 
spiele der Wildheit, so liegt das nicht daran, dass er hierin 
nicht so gross war; denn im lllartyrthum des heil. Placidus 
ist ein Henker so schön dargestellt, dass Domeniehino ihn 
in seiner berühmten heil. Agnese odenbai- naehahmte. 
 Endlich lässt das Costum und Schickliche in heiligen Ge- 
Sßhiehten nichts zu wünschen übrig; in den Fabeln hätt' er es 
viel verbessern können, wenn er Sich, gleich Raffael und den 
Neuem, genau an die Alten gehalten hätte. In seiner Leda 
ist Juno ein ältliches iVeih, das eifersüchtig und zornig Jupi- 
tcrs heimlicher Liebelei zusieht; sie hat weder im Gesicht, noch! 
in den Sinnbildcrn etwas Alterthümliches, und ist daher von 
den Beurtheilern für eine müssige Figur erklärt werden. Im 
Marsyas hat weder er selbst etwas Faunenartiges, noch Mi- 
nßrva eine Aegide, oder ein anderes ihrer gewöhnlichen Attri- 
bute, noch ist Apollo von Gesicht oder Gliederbau so (iargc- 
Stellt, wie man pflegt, und spielt statt der Leier eine Geige. 
Hieraus kann man einen neuen Beweis führen, dass Coreg- 
glß nicht in' Rom gewesen, wo auch mittelmiissige hlaler, 
durch die Menge von Antiken belehrt, dergleichen Vergtögga 
fllßltlßll lernen. lndess sind sie unbedeutend und liehen, möchte 
Ich fast sagen, Coreggioüi Ruhm nur noch, wenn man ang
        

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