Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1294036
II. Zeitr. 
Coreggio 
und seine Jünger. 
309 
verlängern, niedergerissen, mit einer andern ersetzt und von 
Aretusi, wie wir später erzählen werden, wieder aufgemalt 
nard. Nachdem die Tribune niedergerissen war, wurde die Krö- 
nung U. L. F. _ jetzt auf der königl. Bibliothek  gerettet, 
welche das Hauptstück dieses Wandbildes war; auch mehrere 
damals gerettete Engelköpfe werden zu Rom im Palast Ronda- 
nini aufbewahrt. Von Coreggixoßs Hand sind gegenwärtig 
in der Kirche S. Giovanxii zwei Bilder in einer Kapelle einan- 
der gegenüber: eine Kreuzabnahme und das Martyrthum des 
heil. Placidus, auf damastartig gewebter Leinwand, wie einige 
Bilder Mantegnzfs. Ausser einer andern -Capelle ist dort 
ein Evangelist Johannes im erhabensten Style. Endlich die 
grosse Kuppel, wo er die Himmelfahrt Jesu zu seinem Vater, 
und die Apostel in Verehrung und Staunen hingerissen dar- 
stellt; und diese war hinsichtlich des Maases und der Verkür- 
zung der Gestalten, ihres Nackten, ihrer Bekleidung," des Zu- 
gleich einer gesamten Handlung in seiner Art" ein beispielloses 
Wunder der Kunst; denn damals war hiiehelangelois furcht- 
bares jüngstes Gericht im Vatican noch nicht vorhanden  
Wie wunderschön aher auch dies Bild war, musste es doch 
einem andern naehstehen, das nur Coreggio grösscr malen 
2]) Man bemerke, dass Ratti, von Coreggiow Gang nach Rom 
überzeugt, aus einigen lE-"iguren jenes Gerichts schloss, Allegri habe 
selbe nachgeahmt, ehe doch Michelangelo sie gemalt hatte. 
Gleich gewiehtig ist die Verniulliuiig, die er auf einige bei Coreg. 
gio gefundene Rnffuelsche Figuren gründet i), als hätten diese 
beiden Maler nicht eine und dieselbe Natur zu Reihe gezogen. Aehn- 
liches behauptete auch della Vulle, den wir schon Bd. I. S. 309 
nanmen; wie wir denn leicht irren, wenn wir, aus Begier Entde- 
chungen zu machen und alle Thatsachen aufzuhellen, die Geschichte 
verlassen und einer Muthmassung folgen, nicht sowol weil sie gedie- 
gen, als weil sie neu und unser ist. Diesel" bereits in der Hälfte 
des ISten Jahrhunderts aufgekommene Fehler, der zum grossen Nach- 
(heil der Wlissenschalten und Religion immer mehr Ileherhand gewon. 
neu, kann unmöglich lange im 19ten sich halten. Vielmehr wird er 
von der nie ganz erlöschenden Liebe zur Wahrheit getroffen umkeh- 
ren, sie wieder aufzusuchen, und seine ernstesle Sorge wird seyn, 
die weltliche und heilige Geschichte von den sie verwirrenden Trug. 
schlüssen zu reinigen. L,  1) Das vermeintlich Rßffaelische 
beruht doch nur auf einer zufälligen äussern Aehnlichkeit in Einzeln- 
heiten, aber keiner inneren Uebereinstimmhng des Styls beider Küns-t. 
1er. Wer aber nicht die Eigenthümlichkeit, sowol des Raffael- 
sehen als des Coreggioschen Styls durch die Augen auffasst und 
in sich aufnimmt, dem wird man vergebens durch hVortedie Ver- 
schiedenheit Beider zu beweisen versuchen. Q.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.