Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293978
II. Zeilr. 
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seina Jünger. 
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Diese Vermuthnng trug der Waekerc nur schüchtern von 
um] über-Hass nicht nur dem Leser, das Gegentheil der Aufgabe 
anzunehmen, sondern es auch zu unterstützen, indem er sich 
8') ausdriiekte: „Wenn er die Antike nicht sah" (und dasselbe 
kann man von den Arbeiten der zwei ausgezeichneten Neuern 
Sagen) „u'ie man sie in Rom sehen kann, so wird er sie ge- 
sehen haben, wie man es in Modena und Parma kann; ein grus- 
Ses Talent braucht nur die Probe von etwas zu sehen, um zum 
Begriff dessen, was seyn soll, angeregt zu werden." Diesen 
Ausspruch wird man unschwer im Verlauf meines Werks belegt 
und bestättigt finden. Tizian und Tintoretto leisteten 
mit Hülfe von Gypsabgiissen mehr, als Andere, welche Stand- 
bilder zeichneten; Baroccio, der einen Kopf Coreggifs 
nur im Fluge gesehen hatte, ward in diesem Style berühmt. 
Und, dürfen wir hier aus den Wissenschaften ein Beispiel des- 
scn herübernehmen, was ein hoher Geist vermöge, Galileo 
entspann aus der beobachteten Schwebung einer Lampe in einer 
Kirche zu Pisa seine Lehre von der Bewegung und die Grund- 
lagen seiner neuen Philosophie. Eben so konnte auch aus klei- 
nen Bewegungen dieser von Vasen-Vs Zeit" an als göttlich 
bewunderte Geist die ldce eines neuen Styls umfassen. Und 
keinen geringen, sondern hinlänglich starken Anstoss konnten 
ihm auch Andrea's auserlesenste Arbeiten geben, wie die 
Sammlungen von Antiken in Mantua und Parma, die Werk- 
stätten der Mantegna und Begarelli, so reich an Gypsab- 
giissen und Zeichnungen, die Bekanntschaft mit Künstlern, die 
in Rom gewesen, wie MunarVs und Giulio's selbst, und 
endlich der gesunde Sinn des Jahrhunderts, welcher allenthal- 
bßn, mit der früheren Kiimmerliehkeit unzufrieden, nach vol- 
leren, weicheren und vertriebenern Umrisen strebte. Dies al- 
les erleichterte wol unserm Coreggio den geforderten Schritt, 
vor allem aber sein grosser Sinn. Dieser leitete ihn, die Na- 
tur mit denselben Augen, wie die alten Griechen und die gras- 
Sen neuen Italiener, zu betrachten. Oft haben die grüssten 
Gemälden, zu einer oft an Muthwillen gränzenden Fröhlichkeit auf, 
wie es denn in dem Leben glücklicher und reichbegabter Menschen 
zu geschehen pflegt, dass ihr Gemüth immer froher wird, je bewugg- 
1er sie sich werden und je klärer sie die Welt ins Auge fassen, Q,
        

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