Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293863
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Oberitalien. 
Modeneser 
Schule. 
Carpi hat einen andern, in seiner Art aber auch grossen 
Ruhm. Hier entstanden auch die Seagliuln- oder Fraucnglas- 
gemisehurbeiten, deren erster Erfinder Guido Fassi, oder 
ilel Conte wnr 4). Das Frauenglas, auch Selenit, ein Kalk- 
gyps, ist der llauptniisehtheil; es wird zerstossen,  mit Farben 
gemischt nnd mittels eines Leims ein Gemisch daraus gebildet, 
welches zu Stein erhartet eine Art Marmor wird, die durch 
anderweitige Bearbeitung einen schönen leuchtenden Glanz be- 
kommt. Die ersten Arbeiten waren Simse, welche feiner lilar- 
mor scheinen; ja in Carpi sind zwei Altäre von Guido selbst. 
Die Bürger selbst suchten die Erlindung zu hegen, und einer 
setzte dies, ein anderer jenes hinzu. Annibal Griffoni, 
Guidefs Schüler, machte Grabdenkmale daraus, ja er wagte 
sieh sogar an kleine Bilder, welche Kupferstichle und Oelbilder 
darstellen sollten; ein Versuch, der nicht sonderlich gefördert 
ward, daher man von seinem Sohne Gaspero nur 'I'aberna- 
lieln und anderes dieser Art lobt. Gio. Gavignani studirtc 
erst Guido, dann Griffoni und übertraf beide in Meister- 
schaft. In Carpi zeigt man als ein YVunder den Altar des heil. 
Antonius in der Nikolauskirche, mit zivei Säulen, die wie Por- 
bracht. In der Ferne werden diese senkrechten Schrntlire in den 
Linien, aber nicht im Tone Schwächer, gerade wie bei einem Kupfer- 
ßtiche die Tinte für die Ferne durch schwächere Schratlire, aber nicht 
durch eine blässere Farbe ausgedrückt wird. Diese Thcatermxilercien 
bekommen dadurch eine Klarheit, wie man Sie nur in der Natur 
unter jenem heiter-n und glücklichen Himmel zu sehn gewohnt ist. 
Bline üble Gewohnheit der italienischen Tbeatermaler war vormals, 
menschliche Figuren, etwa aus Fenstern schuucnde Gesichter und 
dergl. anzubringen, welche mit den wirklich Lebenden in t-Viderspruch 
standen. X Q, 
4) In den Novelle letlerarie d! Firenze von 1771 wird behauptet, 
diese Kunst sei in Tuscanß vor ungefähr zwei Jahrhunderten aufge- 
kommen und man habe damit lllarlnur- und manche scherzhafte Bil- 
der nachgemacht. Ich habe mich bemüht, viele dergleichen Arbeiten 
in Florenz und Vallomhrosa zu sehen, wß man diese Kunst sehr 
trieb; sie sind sehr schwach und ich möchte sie nicht so hoch hin- 
aufscizen. L.  Uebrigens war schon Th. l. S. 237 f. in der An- 
ymrkung dgvßn die Rede, W,  Auf du! höhere Alter dieser Ef- 
tindnng könnte doch folgendes aufmerksam machen, dass uhnweit der 
Thür des Eingangs im Dom zu Parma sirh eine Tafel von Sca- 
gliola befindet, auf welche Crislaforo Coselli genannt z"! Teuzperinv 
ein schönes bladonnenbild und vor diesem" einen kniendexi lliann in 
schwarzer Kleidung malte, Der Faltenwurf it eckig und erinnert 
an die alten Tencziancr. Das männliche Portrait ist sehr charßkr 
teribtiuch. Q.
        

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