Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293744
280 
Oberitalien. 
Schule. 
Modeneser 
Kurz nachher ling Lelio Orsi aus Reggio zu blühen 
an, der, aus seinem Vaterlande verwiesen, sich nach Novellara, 
damals einer Stadt der Gonzaghi begab und daselbst nieder- 
liess; wesshalb er auch gewöhnlich Lelio von Novellara 
genannt wird. Dieser grosse Mann, von welchem nur das A6- 
öecedario einige Nachrichten gegeben hatte, verdankt dem Ti- 
rabosehi eine aus Handschriften gezogene wohlverfasste Le- 
bensbeschreibung. Er ist vielleicht Coreggiws Schüler, was 
Einige behaupten, Andere verneinen. Doch lebte er zu einer 
Zeit und an einem Orte, wo er ihn leicht kennen lernen konnte, 
studirte und eopirte seine Werke, wie man denn seine Copie 
der berühmten Nacht beiden Edeln Gazzola in Verona lindet. 
Auch in Parma soll Lelio Denkmale seines Pinsels hinterlas- 
sen haben, ,wo die ersten Zierden jener Schule malten. Es 
ging und geht noch von ihm das Mährchen herum, dass er 
Michelangelws Schüler, gewesen, dass Coreggio ihm ge- 
schrieben, ja im Zeichnen ihn zu Rathe gezogen habe. Aller- 
dings ist er ein verständiger, ileissiger, rüstiger Zeichner, er 
mag nun, wie Tirab oschi laut einer Handschrift wollte, in 
Rom gewesen seyn, oder aus Mantua Giulio's Geschmack 
angenommen, oder Zeichnungen, Gypsarbeiten von Michel- 
angelo gesehen haben; grossen Geistern gniigt es schon den 
Weg zu' wissen, nm ihn sicher zu gehen. Seine Zeichnung 
wenigstens ist nicht. lombardisch; und hierin liegt eben die 
Schwierigkeit, ihn für einen Schüler Coreggifs zu halten; 
denn, wäri er dies gewesen, so würden seine ersten Werke 
wenigstens ein minder starkes Gepräg haben. Ihn aber trotz 
Jedem in Anmuth des Helldunkels, im Farbenauftrag, in ge- 
gewissen jugendlich schönen und lieblichen Köpfen naehzuah- 
men verstand er sehr wohl. Reggio und noch mehr Novel- 
lara hatten von ihm viele bvandgemälde, die jetzt größten- 
theils untergegangen sind; dem glorreichen Andenken Franz lll. 
verdanken wir noch die, welche jetzt in Modem: im Palaste 
Sr. H. aus der Burg von Novellara dahin geschaift worden 
wanen, so nannte man sie Ruffaelisch. Die freien grossen Bewe- 
gungen Raffael scher Gestalten arten in gedehnte Stellungen aus 
und auch in der Kunst giebt es Caricaturen de! Schönsten, wie 
Steffens Caricaturen den Heiligsten schildert. Q.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.