Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293512
Zweiter 
Zeitraum. 
Giulio Romano 
und seine Schule. 
237 
grosscn Charakter auf. Dies Verfahren hatte er von Raffpel 
gelernt, und Vasari lobt ihn als den besten Lehrmeister, der 
grosse Schüler zu ziehen vermochte. Ein Unglück ist es für 
Giulio, "dass seine Pinselstriche al Te später von neuen Pin- 
seln überdeckt wurden; daher seine liebliche Fabel der Psyche, 
die moralischen Darstellungen des Menschenlebens und der 
furchtbare Krieg der Giganten mit Jupiter, wo er Michel- 
angelo in rüstiger Zeichnung herauszufordern schien, jetzt 
Giuliois Zeichnung und Composition, aber nicht mehr seine 
Hand sind 3). Besser lernt man diese am K. Hofe im trojani- 
schen Kriege, in der Geschichte der Lucretia, und in den klei- 
nen Cabinets kennen, welche er mit geistreichen Grottesken und 
Launen schmückte. Hier möchte man ihn bald einen Homer 
Hennen, der die Waffen führt, bald einen Anakreon, der Trun- 
kenheit und Liebe darstellt 4). Eben so fleissig arbeitete er 
auch heilige Gegenstände, namentlich für den Dom, welchen er 
im Auftrag des Cardinals Gonzaga, Federigtfs Bruder und 
Vormund des kleinen Neffen, nicht nur baute, sondern auch 
3) S0 arg ist es denn doch nicht, wenn gleich einige dieser treff- 
lichen Bilder von fremder und ungeschickter Hand übel-malt. sind. Q. 
4) Diese Malereien im Palast del Tiz, der seinen Namen von der 
Form des Buchstabens T bekommen hat, sind allerdings das Höchste, 
was die Phantasie an heiterer, grossarliger, bis zur Kühnheit ge. 
steigerter Sinnlichkeit und einem Schwelgen in den entzückendsten 
Formen der VflllkOlIllllEllSlCn Gestalten erschwingen kann. Im Jahre 
1763 erschien Descrizirnze storica delle pfllure del palazza del Tä, 
_f'u0ri dclla pnrla rii ßlantava du Gilwazznz" Bnttani. Gegenwärtig 
Werden diese Malereien von einem Künstlervereine gezeichnet und 
unter Begünstigung der Regierung gestochen; die Ausführung dieses 
Krossen Unternehmens wird allerdings noch viel Zeit erfordern. S. 
392. Note 72, lster Theil dieses Werks, haben wirbereits die Stiche 
der Diana, Mantoverna und Cornelius Hos nach Malereien 
in diesem Palaste angeführt. Diese drei Blätter, welche Diana 
Stach, stellen die Vorbereitungen zu dem Hochzcitfeste der Psyche 
Ü! zwei Blättern, und das dritte das Bad des Amors und der Psyche 
Vor. S. Bartsch P. Grau. V01. 15. N0. '10. p. 440. Derselbe 
führt 1701.15. p. 211 eine Folge von 32 Blättern an, wovgm sechs 
Augu stin von Venedig und die andern der Meister mit dem Wür- 
fel gestochen haben soll; doch führen nicht alle sein Monogramm 
und sind besser gezeichnet, als viele seiner Arbeiten. Bartsch 
Klebt diesem Bilderkreis die Benennung: Lrz fahle de Psyche äcrite 
PfYT Apulrle. [Papräs Raphael. Es ist jedoch zu bemerken, dass 
diese Bilder gänzlich von denen des Raffael in der Farnesinn zu Rom 
verschieden und viele darunter dieselben sind, welche Julius im 
Palast del Te ausführte, Q. 
II. Bd. R
        

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