Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293380
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Oberitzxlien. 
Zweites Buch. 
der übrigen, zu behandeln. Die florenzer, rönxische und bolo- 
gner Schule sind gleichsam Dramen , worin Acte und Scenen, 
cbcsc Berio in Neapel ist aus jener Zeit des Künstlers, wo er die 
Natur in ihrer reinen Schönheit erkannte. (Eine schwache Abbildung 
dieser Gruppe in Star-in riella Scultura Vnl. III. Tav, XXIC) Nach 
solchen iVeiken muss man unsern Künstler beurtheilcn und würdi- 
gen; aber nicht nach denen, welche durch Aufträge veranlasst wur- 
jen, die oft ausser der Bahn lagen, die ihm durch seine eigenthüm- 
lichen Fähigkeiten und Neigungen vorgeschrieben war. Wenn durch 
ndufgaben, die seine ICriiFte überstiegen, durch ein zwar rühmlichel 
Streben, immer Vorzüglicheres zu leisten, sich der grosse Künstler 
"vielleicht bisweilen verirrte und die Gränze natürlicher Anlnuth , auf 
die er von Natur angewiesen war, überschritt, indem er sich selbst 
zu übertrelfeil strebte, so berechtigt uns dies nicht, ihn nach Mis- 
griifen zu benrtheilen, welches ein absichtliches Verkenuen zeigt. 
Die Amnuth und Natürlichkeit sind es gerade, die wir als charakte- 
ristische Merkmale seiner Bildnerweise betrachten und bewundern 
müssen, weil in der Zeit seiner Entwickelung der Sinn für beide im; 
Allgemeinen verschlossen war, indem einerseits Ziererei und andrer- 
seits eine falsche und frostige Aulfassung der Antike Maler und 
Bildner eingenommen hatte, Canova aber jene heitre Bahn der 
Natürlichkeit zuerst wieder betrat und für andere ebnete, Viele 
werfen ihm vor, dass seine grössern Composilionen mehr malerisch, als 
architektonisch und plastisch angeordnet sind und dass seine Formen 
oft in Weichlichkeit ausarten. tVir haben diese Vorwürfe bereits 
abgelehnt, und ist er davon nicht ganz freigesprochen, so wird er 
doclrdadurch zu entschuldigen seyu, dass er durch die Ausartung 
seiner Gegner auf einer andern Seite zuweit getrieben wurde, gleich- 
sam an das andere entgegengesetzte Ende des Hebel, um den kul- 
ten und heissen hlttnlerislrlt das Gegengewicht zu halten. Dass dann 
andere hochbegabte Künstler den Punct der Ruhe und des Würdi- 
gen trafen, ist von ihm doch vorbereitet, und so ward Canova der 
Vorgänger einer beifallswürdigexi Zeit für Maler und Bildner. In 
zwei Hinsichlen lassen ihn doch alle Gegner unangefochten, und über. 
gehn diese mit Stillschweigen; die eine ist die vollendete Bearbei- 
tung des Marmors und die andere der hessre Styl in Gewändern, 
durch welchen er sich auch für die Malerei, um welche uns hier 
zunächst zu thun ist, ein grosses Verdienst erwarb. Was mit solcher 
Leidenschaft augefciudet wird, wie Cano vaßs Styl von Fernow, 
ist gewjss immer das Ungemeine, und gerecht zu seyn bleibt ge- 
wöhnlich der Nachwelt vorbehalten. Wir können diese Betrachtun- 
gen nicht besciiliessen, ohne an Canova's edeln, grossmüthigen 
Charakter zu erinnern und was er' gethalt hat, um andere Künstler 
zu fördern, ohne alle Rücksicht, welcher Nation oder Schule sie ange. 
hörten,  Ein Beweis hievon sind die balhrunden Frescogelniilde in 
einer der Gallerien des Vatican, wu mehrern deutschen Künstlern 
Gelegenheit gegeben wurde, sich auszuzeichnen. Die vom römischen 
Stuhl ihm ausgesetzten: Einkünfte bestimmte Canova zur Unter- 
ltützung und Ermuthigung rölnischer Künstler. Der Bau der Kirche 
in seinem Geburtsorte Pnssagno wurde auf seine Kosten, aus dann]. 
ben edeln Absichten und reiner Frömmigkeit unternommen und von 
ihm eifrig betrieben. Wer nur Cano va als Künstler ehrt, oder 
beurthcilt, würde von diesem seltenen Manne eine einseitige unvoll- 
ständige Ansicht auffassen. Wie klug und edel, gütig und fest, in
        

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