Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293331
Vierter Zeitraum. 
Fremde und neue Slyle in Venedig. 
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derselben, besonders in den Lufttinten. Er hat zuerst ihren 
Wahren Gebrauch gelehrt, indem er ihn bloss auf das, was ge- 
fallen kann, beschränkte. Er liebt grosse Wirkung und ver- 
führt dabei nach Tiep0lo's Weise, welcher ihm zuweilen die 
Figuren malte; und wo er nur den Pinsel führt, seien grosse 
Bauten, Wässer, W'olken, Figuren (larzustellen, prägt er ihnen 
eine Frische und Kraft ein, dass man die Gegenstände in ihrem 
ßrgreifendsten Anblick zu sehen meint. Einige Freiheit nimmt 
er sieh heraus, aber doch mit nüchterner Besonnenheit und so, 
dass die gewöhnlichen Beschauer Natur darin finden und die 
Kenner Kunst bemerken. Diese besass er in hohem Grade. 
Bernardo Bellotto, sein Neffe und Schüler, näherte 
sich seinem Style o, dass die Gemälde Beider schwer von ein- 
ander zu untereheiden waren. Auch er war in Rom und als 
Orlandi ihn so lobte, war er in Dresden; ob er nach Italien 
zurückgekehrt 9), kann ich nicht sagen. Fran ceseo Guardi 
ist in diesen letzten Jahren für einen zweiten Canaletto ge- 
achtet werden, und seine Ansichten von Venedig haben in lta- 
lien und jenseits der Alpen Bewunderung erregt, jedoch nur 
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9) Bernßrdo Bellotto, genannt Canaletto, ward zu Vene. 
dig 1724 geboren und starb zu Warschau 1780. Man weiss nicht, 
ob man ihn mehr als Maler oder Kupferstecher bewundern soll; 
denn in beiden Künsten ist er sehr ausgezeichnet. Eine richtige Per- 
spective, eine Schönheit der Lufttinten, eine Kraft der Beleuchtung, 
dass man Sonnenschein zu sehen glaubt, zeichnen seine Gemälde aus, 
welche sehr flüchtig gemalt und nur hinsichtlich der Schatten, die 
bisweilen undurchsichtig scheinen, nicht immer zu loben sind. Es 
ü! wahrscheinlich, dass die Camern nbscura ihn zu dunkeln Schatten 
VBrfüln-te. Doch hat er auch diesen Fehler oft glücklich vermieden, 
Selbst gleichgültige Gegenstände bekommen durch seine Darstellung 
eine überraschende, reizende hVahrheit. Wenn alle Gemälde diese! 
Meisters, welche der König von Sachsen besitzt, zusammengestellt 
würden, so machten sie eine reichhaltige Gallerie aus. Die Ansich- 
ten von Venedig und Verona, die er malte, sind in den Schaltern klä- 
rer, als die von Dresden. Oft malte er auch Ansichten des male- 
risch gelegenen Städtchens Pirna, welche ihm so wie die italieni- 
schen Ansichten in der Beleuchtung vorzüglich gelungen, wahrschein- 
lich weil er die Cmnerß obscura dabei nicht zu l-lülte nahm. Seine 
Radirungen sind leicht und wirkungsvoll und können als Muster für 
Prospectvorstelluxigen betrachtet werden, Einige darunter sind sel- 
ten geworden und man bezahlt sie theuer, besonders die Ansicht der 
Frauenkirche und der alten Kreuzkirche. Huber und Rost gehen 
in dem Handbuchs für Kunstliebhaber und Sammler, IV. Bd, S. 164, 
ein Verzeichnis der Blätter, welche sie für die vorzüglichsten die- 
se: Meisters hallen. Q.
        

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