Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293285
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Oberilalien, 
Venediger 
Schule. 
züglichsten fürstlichen Sammlungen, wie für die Städte seine: 
Geburtslandes und andere italische, sehr viel, und, olfen zu 
sprechen, nicht gleich gut gemalt. lch spreche nicht von sei- 
neu Wandbildern, deren er sich, nachdem er eine gute jugend- 
liche Probe davon in dem edeln Hause Labia in Venedig während 
seines vierjährigen Aufenthaltes dasclbst gegeben, seiner Gesund- 
heit wegen entschlug; sondern von seinen Oelbildern, welchen 
er seinen grossen Namen verdankt. In Pontrenioli, wo ein 
heil. Franciscus, der die Wundmale erhält, sehr gut ausgeführt 
seyn soll, war ich nicht. S. Zorzi zu Pisa ragt unter vielen 
treillichen Pinseln, die diesen Dom schmückten, hervor. Schön 
ist eine Reise nach Aegypten in S. Antonio Abate zu Parma. 
Er stellt da die heil. Jungfrau mit dem göttlichen Kinde auf 
einem engen Stege dar, welchen Joseph Hülfe leistet, damit 
sic sicher hiniiberkommen. Auf seinem Gcsichte und in sei- 
ner ganzen Gebärdung sieht man die Angst, die er hat; unter- 
dessen bemerkt, oder kümmert er sich nicht, dass ihm ein 
Theil des Mantels von den Schultern gleitend in den Fluss 
taucht und darauf schwimmt; ein höchst natürlicher und sinn- 
reicher Gedanke! Auch das Uebrige dieses Gemäldes ist in sei- 
nem besten Style: die Engel, welche das Geleite bilden, das 
göttliche Kind, die heilige Jungfrau, die er hier, wie auch 
sonst, in ernster würdevoller Schönheit bildete, wie Maratta 
stets that. Diesem Künstler gleicht Cignaroli einigermassen 
in gewissen Bewegungen, einer gewissen besonnenen Composi- 
tion, Wahl und Annäherung der Farben, nicht aber in ihrem 
richtigen Tone. Das durch Grün manierirte und stellenweise 
mit Roth geschminkte Fleisch macht sein Coloril: dem, welcher 
das Wahre liebt, minder angenehm, und das zuweilen ausser- 
halb der Grünzen des Natürlichen gesuchte Hclldunkel thut 
eine Wirkung, welche mehr das Auge, als den Verstand befrie- 
digt. In den Motiven hat er oft etwas Neues; Bauten, Ver- 
schleierungen, Landschaft braucht er auf eine nicht alltägliche 
Weise; in die meist heiligen Compositionen flieht er Engel- 
scherze und allerlei erhciternde Vorfälle ein. Sicherlich hatte 
er einen glücklichen Genius und eben so glückliche Zeiten, 
sich hervorzuthun. Seine Denkwürdigkeiten sammelte und gab 
P. Ippolito Bevilacqua deIPOratorio im Jahr 1771 
heraus; sein Lob prieseu in freier und gebundener Rede mehrere
        

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