Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293178
Vierter 
Zeitraum. 
Fremde und neue Style in Venedig. 
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Holzbildern und Wachsmustern beobachtet, und so bezeichnete 
er mit vieler Einsicht und gehöriger Bestimmtheit alle Theilen 
die ein kecker Farbenauftrag befasst; wesshalb seine Zeichnun- 
gen sehr gesucht und seine Bilder gern und wiederholt gesto- 
chen wurden. Eins bei den Dominicanern delle Zatterc ist von 
dem berühmten Bartolozzi gestochen, ein anderes von sei- 
ner Schule, der heilige Philipp in seiner Kirche zu Venedig. 
Andere sind von Pittcri, Pelli, Monaco und in Deutsch- 
land gestochen. Aber seine Farbengebung hat seinen meisten 
Bildern ihr grösstes Verdienst entzogen. Durch vertiefte und 
verwandelte Schatten, abgedämpfte Lichter, vergilbte Tinten 
ist ihnen etwas Misstimmiges und Ungestaltes geblieben, das 
die blinden Verehrer bewundern, ohne zu wissen warum. 
Sieht man noch wohlerhaltene Bilder von ihm, so machen sie 
zunächst durch Neuheit und Eigenthümlichkeit einen schlagen- 
den Eindruck, vorzüglich wenn der Gegenstand etwas Grausi- 
ges hat, wie in Padua die Enthauptung Johannes des Täufers 
im Gefängnis, welche mit den besten Malern jenes Gebiets Wett- 
eifernde Arbeit damals für die beste unter allen gehalten wurde. 
Betrachtet man ihn aber gemächlich, so widert er doch durch eine 
mit Scharlach Iund Gelb eigens entstellte Farbe, und was Manche 
Tapferkeit des Pinsels nennen, ist Andern nur eine Nachlässig- 
keit, welche ein Bild vor der Zeit abhanden lässt. 
Für Behandlung reicher Steife hattePi azzetta nicht geistige 
Lebenskraft genug, und als ein edler Venediger einen Saliincr- 
innenraub bei ihm bestellte, arbeitete er mehrere Jahre daran. 
ln Altarbildern und andern Gemälden heiliger Gegenstände 
konnte er durch den Ausdruck der Andacht, nie aber durch 
Adel gefallen. ln Erwägung seiner Kraft malte er Brnstbilder 
und Köpfe für Cabinets ami liebsten. Wundersam gelan- 
gen ihm Zerrbilder, wie deren einige bei den Grafen Leopardi 
diOsimo einen Demokritus zum Lachen bringen könnten. Eine 
Zeit lang hatte dieser Künstler viele Jünger; es war aber eine 
Mode, die bald vorüberging. Francesco Polazzo, ein gu- 
ter Maler und noch besserer Hersteller alter Bilder, mässigte 
Piazzetta's durch Ricci's Styl. Auch Domenico Mag- 
giotto mässigte ihn im Wunder des heil. Spiridion und an- 
dern in Venedig und Deutschland gedruckten Werken. So mil- 
derten ihn auch andere aus dieser Schule nach andern Mustern;
        

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