Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1293009
206 
Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
war, aber doch sehr nachsteht an Grossheit, Nachahmung des 
Alterthiimliehen, Leichtigkeit des Schaifexis. Auch seine Fär- 
bung war verschieden. ln den Kleidungen liebt er mehr Far- 
benwechsel; die Tinten in mehrern einer Arbeiten sind jetzt 
matt, die Schatten verändert, wie in andern Bildern jener Zeit. 
Ich fürchte aber doch, der grosse Mann habe, wie auch eben 
Poussin und Raffael selbst, nicht immer gleich ilcissig 
gemalt, zufrieden, nur dann und wann seine 'l'rei'llichkeit auch 
in diesem Theile zu beweisen. In der Passione in Mailand 
malte er Christus im Garten betend und eine Geisselung, in 
seinem schönsten Style. Das erste Bild ist sehr schön nach 
Art des Bassano gemalt; das zweite, noch beseelter und von 
grösscrm Charak'ter,_ übertrifft das erste auch an Kraft des 
Colorits. Andere Muster hat Bergamo, besonders an den bei- 
den Hauptaltären in S. Marta und S. Grata. Dort sind zwei 
staunenswerthe Gemälde, deren jedes seine Liebhaber hat, die 
eines dem andern vorziehen: sie haben so frische, leuchtende 
und reizende Farben, dass man nicht müde wird sie zu betrach- 
ten. In beiden musste er U. L. F. herkömmlichermassen in 
der Höhe mit einer Glorie, unten mehrere Heilige darstellen; 
aber im zweiten hat er sich mehr Mühe gegeben, eine schöne 
Mannichfaltigkeit von Verkürzungen, Gebärden, Gesichtern ent- 
wickelt, die Stadt Bergamo und ein schönes Bauwerk in Pae- 
loschem Geschmack hinzugcmalt, die Figuren sorgfältig ge- 
kleidet, wic denn ein Bischof in Festschmuek an '.l'izia.n 
selbt erinnert. Seine Zimmcrgemälde sind selten und kostbar, 
auch ausserhalb der Vaterstadt und ihren Umgebungen nicht 
sehr bekannt, wie es vielen trefilichen Malern aller Schulen 
geht. Italien hat zuviel ausgezeichnete Maler, als dass alle 
gehörig bekannt und gewürdigt werden könnten. 
Eneaßs Styl war ohne Hiilfe Raffaelischer Muster nicht 
leicht aneigenbar. Francesco und Chiara, seine Kinder, 
obwol von ihm unterrichtet, ahmten doch nur seine Studien 
und Figuren nach, ohne in Grund und Wesen seiner 'l'heorie 
einzudringen. Doch sieht man die Früchte eines guten Unter- 
richts an ihnen gar Wohl. Mit andern gleichzeitigen, oder doch 
nicht viel jüngern, verglichen erscheinen sie, wenn nicht sehr 
lebhaft, doch sehr fleissig und von denlFehlern der Manieri- 
steu frei. Die Stadt hat viele, auch öffentliche Werke von
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.