Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292866
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
beiden Blitze der Malerei, Tintoretto und Giordano, be- 
friedigten Kenner da am meisten, wo sie den meisten Flciss 
anwendeten. Man kann seinen Styl auch in den grossen und 
leichten theilen. Im erstern malte er selten. Venedig hat darin 
einen Kindermord, Viccnza einen aus der Arche tretenden Noah, 
Bergamo eine Sündiluth, wo das Meer von M. Montagne ge- 
malt seyn soll; lauter Kirchenbilder, von kräftiger Zeichnung, 
mannichfaltigen schönen Verkürzungen und Bewegungen, gross- 
artiger Nacktheit mehr in dem Caraccischen, als Bonarruo- 
tischen Style. Diese Meisterschaft misbrauchte er auch, als 
er den ewigen Vater, gegen allen Brauch, zu S. Caterina in 
Vicenza nackt malte; eine Unüberlegthcit, welche dies übrigens 
sehr schöne Bild misempliehltl Im leichtem Style hat er viele 
Zimmerbilder gemalt, zuweilen verständliche Fabeln, zuweilen 
so dunkle launenhafte Allegorien, dass kein Oedipus sie lösen 
möchte wollen. Häufiger, als andres, malte er nackte Veneres 
in Tizianschem Geschmack, welche seine Meisterstücke sind 
und ihm den Zunamen Libertino erwarben. Man sagt, weil 
er nicht gut Faltenmalerei verstand, habe er sich lieber in sol- 
chen akademischen Stücken geübt. Dergleichen giebt es in den 
Bildersammlungen in Menge und hat man eine gesehen, so er- 
kennt man die andern leicht, theils an den oft wiederholten 
IKüpfen, theils an der Röthc des Fleisches und am allgemeinen 
Tone. Diese Farbe liebte er über die Massen und nxisbrauchte 
sie häufig an Händen und Fingergränzen. Uebrigens ist sein 
Farbenvortrag sanft, die Schatten zart und Coreggisch, 
die Halbgesichter oft alterthümlich, die Führung des Pinsels 
frei und meisterhaft. 
Sein Sohn illarco Libcri ist mit dem Vater an Gross- 
heit und Schönheit, wenn er selbst erfindet, nicht zu verglei- 
chen. Seine Formen sind entweder fast Zerrbilder derer, die 
sein Vater malte, oder, wo sie ihm eigen sind, bleiben sie hin- 
ter ihm zurück. Man kann die Vergleichung in mehrern Samm- 
lungen anstellen, wo Vencres von ihnen sind: wie in der des 
Fürsten Ercolani in Bolognaf Dennoch copirte er die Arbeiten 
seines Vaters trefflich, und diese Geschicklichkeit ward meh- 
rern aus dieser Schule zu Theil, deren Nachbilder leicht von 
Künstlern sogar mit den Urbildern verwechselt werden. 
Hier darf ein tüchtiger Fremdling nicht übergangen werden,
        

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