Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292844
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
sützen, in der Fleischfarbe, in der Weichheit und Leichtigkeit 
des Pinels. Tizian aber blieb einzig und Varotari steht 
ihm nicht wenig in Lebhaftigkeit und Ausdruck der Wahrheit 
nach. Auch scheint mir seine Znrichtung und Coloriruug der 
Leinwandhilder doch nicht die eines Schülers von Tizian zu 
geyn, indem nicht wenige schwarz geworden und die Schatten 
sich vertieft und geändert haben. Dies sieht man noch deut- 
lich in Florenz an seinem todten Christus, welchen der Fürst 
jüngst für seine Gallerie gewonnen hat. 
Uebrigens scheint mir, dass er sich zu seinem Muster, wie 
Poussin zu Raffael, verhält, welchem er folgt, ohne ihn 
zu erreichen, theils weil er es nicht vermag, theils weil er 
nicht zum knechtischen Nachahmer werden mag. Sein Mei- 
sterstiick ist das Gastmahl zu Kanaan, das von Patina in 
den pitture scelte gestochen ist. Es war ehmals in Padua, jetzt 
in Venedig im Capitel der Carita: wenig Figuren nach Verhält- 
nie des Orts, schöne Kleider- und Geräthpracht, Hunde in 
Paoloscher Art, die zu leben scheinen, schöne Dicnerschaft, 
reizende Frauen, idealer als bei Tizian und in lieblichen Be- 
wggungen; wiewol vielleicht nicht jeder billigen wird, dass sie, 
und nicht Männer, wie es gewöhnlich Brauch ist, bei Tische 
aufwarten. Dies angeführte Gemälde ist nicht von so leuch- 
tenden und frischen Tinten, wie die vier Geschichten aus dem 
Leben des heil. Dominieus in einem Speisesaal der Heil. Johann 
und Paulus, welche gleichsam die Bliithe des Padovanini- 
scheu Styls sind. Dieser liebliche Maler theilte seine Zeig 
zwischen der Hauptstadt und seinem Geburtsort, welche allein 
viel öffentliche Bilder von ihm haben; andere Städte sind 
so wenig reich daran, als Bildersammlungen. Bei Beurthei- 
lung seiner Bilder muss man übrigens ja darauf sehen, dass 
man nicht Copien bekomme, indem er viele ihn so glücklich 
nachahmende Schüler hatte, dass selbst venediger Künstler sie 
schwer von dem Meister unterscheiden. 
Ausgezeichnet unter des Padovanino Schülern und Nach- 
nhmern war Bartolommeo Scaligero, welchen die Padua- 
ner ihren Mitbürger nennen, obwol sie wenig von seiner Hand 
haben; dagegen die Venediger in mehrern Kirchen, die schön- 
sten vielleicht im Corpus domini, besitzen. Gio. Batista 
Rossi von Rovigo liess in Padua ein Gemälde zu S. Clemente,
        

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