Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292721
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Oberilalien. 
Venediger 
Schule. 
Weil aber, wie ich gleich anfangs bemerkte, ein Jahrhun- 
dert doch nicht so durchaus verwildcrn kann, so finden sich 
auch unter den Manieristen, welche der Hauptzug dieser Zeit 
sind, doch gute Nachahmer Tizianw, Paolo's, ja selbst 
RaffaePs, sowol in der Hauptstadt, als in den Landschaften. 
Ja, sie waren dort zahlreicher; denn die Künstler de Festlan- 
des hatten nicht  soviel grosse Muster, wie die Venediger sie 
mit wenig Mühe plünderten, wodurch die Kunst zurückschritt. 
Als ersten, welcher den gediegenen Styl aufrecht hielt, nenne 
ich Giovan Contarino zu Zeiten Palma's, Malom- 
Ina's Genossen und Tizian's genauen Nachtreter. "Nicht 
immer gelang es ihm, die Natur, nach welcher er malte, zu 
verbesern, oder zu verschönern; stets aber malte er in gedie- 
genem und wahrhaft Tizianischem Geschmack. Auf Perspec- 
tive verstand er sich sehr gut, und malte in S. Francesco di 
Paolo an der Decke eine Auferstehung nebst andern Geheim- 
nissen mit so lieblich colorirten, so schön unterschiedenen und 
bewegten Figuren, dass das Bild zu den schönsten der Stadt 
gehört. Für Bihlcrsammlungen malte er viel, auch in Deutsch- 
land; wesshalb er von Rudolf ll. mit Ritterkreuz und Band 
beehrt Ward. Am liebsten waren ihm Gegenstände aus der Fa- 
bellehre, welche gehörig zu behandeln er hinlänglich unterrich- 
tet war. In der Sammlung Barbadigo hab ich dergleichen 
viel gesehen. In Bildnissen war er so wahr, dass, als er ei- 
nes des Marco Dolce in das Hans brachte, Hunde und Katzen 
um daselbc herumsprangen und schmeichelten, al wär' es der 
Herr selbst. 
Dennoch übertraf ihn als Bildnismaler Tiberio Tinelli, 
erst sein Schüler, dann Lcandro Bassano's Nachahmer, 
den der König von Frankreich zum Ritter machte, Piano 
von Cordona sagte, als er ein Bildnis von seiner Hand sah, 
Tiberio habe die Seele des Abgebildeten und seine eigene 
dazu hineingemalt. In Rom hab ich eins gefunden, das sehr 
theuer verkauft ward; mehrere hab ich im Venezianischen ge- 
sehen. Zuweilen sind sie nicht vollendet, wie es die Besteller 
wollten, um wohlfciler wegzukommen; zuweilen sind sie ge- 
schichtlich angeordnet: Marcantonio z. B. ist ein Venedi- 
ger Herr, Cleopatra seine Gemahlin. Kostbar sind auch seine 
Cabinetbilder in der Grösse von Bildnissen, manchmal fabelhafte,
        

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