Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292605
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Palast Pitti und eines im Hause Barherini üherpinsclte und von 
neuem malte. Allein diese und andere angezogene Gewähr-s- 
männer beweisen wenig, indem es meistens Maler waren, welche 
das Cblorit der Zeichnung verzogen 1); und man könnte ihnen 
leicht tüchtige, besonders englische und französische Maler da- 
gegen anführen, welche ganz anders (lachten; nur dass der- 
gleichen Lobredner auch die neuern Venedi er nicht wie die 
L 
l) Diee ausschweifenden Aeusserungen erklärt Lanzi sehr richtig; 
allein sie verdienen doch noch eine Zurechtweiznmg, weil es gerade 
noch Professuren der Malerei giebt, welche dem des Boschini 
gleichen. tVas den Geschmack des Velasco betrifft, so war dieser 
blos für Bildnisse und zwar von der Art, welche mehr die äussere 
Erscheinung, als das geistige Leben darstellen, entwickelt, und so 
gefielen ihm Portrait: von solcher Wahrheit des Colorits und kräfti- 
ger Pinselführung, wie die Tizianiscbe Schule lieferte, mehr, als 
jene hohen Gebilde des Rsffael, zu deren Verständniss mehr ein 
tieferes Eindringen in den Gedanken erfordert wird, als eine hlos 
sinnliche Auffassung des Bildes durch die Augen, Es käme nun nichts 
darauf an, ob dem Velasco die venezianische Malerei mehr geliel, 
als Raffaels seelenvolle Kunstwerke, wemrnur nicht gerade in un- 
serer Zeit die spanischen Meister überschätzt Würden. Nach J. B, 
Descamps La m'a des peinlres jlamanrls, nllenumrls et lwllandois, 
qvec des pnrtraits. Paris 1753 T0. I. p. 300 scheint es allerdings 
auch, als wenn der Verfasser meinte, dass die venezianische Schule 
Rubens mehr zugesagt hätte, als die römische. Dies zugegeben, 
so beweist es doch noch keinen Vorzug der venezianischen Schule. 
Rubens war ein so geistreicher Realit in der Malerei, dßss 
ihm das Tizianische Fleisch allerdings vorzüglich gefallen musste, 
und er ist zu loben, dass er einer kräftigen, beitern Auffassung 
der tVir-klichkeit, auf welche ihn die eigene Natur anwie, treu 
blieb. Allein es ist dennoch die Frage, ob Rubens als Nord- 
länder die Naturschönheit der Venezianer, ja. seines eignen Volk- 
stamms, würde erkennen gelernt haben, wenn ihm nicht die edlen 
Gestalten der römischen Schule den Sinn für das Schöne überhaupt 
geölfnet hätten; denn ausser ihm hat doch nur van Dyck unter 
den neuem Rhein- und Niederländern einen so frischen, olTnen Sinn 
für die Nationalscböilbeit ihrer Landsleute gezeigt, indess die andern 
nur das Gemeine und ohne Wahl und Sinn, wie Spiegelgliiser die 
Wirklichkeit, auffassen. Albano kann wohl Grund gehabt haben zu 
bedgqern, nicht in Venedig studirt zu haben, weil ihm das Höchste 
der römischen: Schule doch unerreichbar wsr und die natürliche und 
grossartige Anmulh der tizianiscben Schule, für welche er von 
der Natur bestimmt zu seyn schien, erst zu spät sich auflbat, nach- 
dem er sich schon einer Weichlichkeit ergeben holte, die ß? IIiCM 
mehr ablegen konnte. Hinsichtlich de! P- lia Cortonß T0131 hie! 
daraus, dass die kräftige Manier des Tinißrelto besser war und 
eine edlere iVirkung hervorbrachte, als die des Cortnna, der nur 
nach dem in die Sinne Fallendcn strebte. Uebrigens läuft dies alles 
auf die oft gerügte ahwiigende Schätzung von Meistern und Schulen 
hinaus, indess Alle: in seiner Art, ohne Vergleich, gewürdigt wer- 
den muss. Q.
        

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