Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292597
Dritter Zeitraum. 
Die 
Manierislen. 
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beherrsehendes gebracht wird, zu Verwirrung jedermanns, der 
den Compass des Magneten nicht versteht. Wie man aber 
aus einer Vorderseite im sogenannten gothischen Geschmack 
auf den Styl eines ganzen Gebäudes schliesst, soykann aus dem 
angegebenen Titel der Leser gleich vermuthen, dass Beschi- 
ni's ganzes Buch im überladenen Style jener Zeit, voll ist von 
nnergiebigeln Vlrortschivall, seltsamen Allegorien, kalten Anspie- 
lungen, unsäglich elenden Gedanken und Redensarten, welche 
man denen desCiamp o li und Melosio nicht gegenüber stellen 
kann, weil diese doch in italiseher Mundart schrieben, Bos- 
ehini aber keine fremdartige Sprache brauchen, sondern wie 
die Venediger sprechen zu wollen betheuert. Aus dieser übel- 
verstandenen Vaterlandsliebe stammen nun seine Schmiihungen 
gegen Vasari und die Style auswärtiger 'Schulen, wie das 
übertriebene Lob der venediger Maler, welche er, wie der Titel 
besagt, allen Malern der Welt verzieht, nicht allein im Colorit, 
Sondern auch in Erfindung und Zeichnung; Das Schlimmste 
dabei ist, dass er die guten Alten nicht von den Manieristen 
seiner Zeit unterscheidet, und spricht, als ob die Meister des 
vorigen Jahrhunderts noch lebten und erfäinden, oder die modi- 
gen dieselben Gaben und dieselben Stannngiiter hätten; ein 
(iurehgiingiges lllisverstiindnis des naseweisen Gevatters, welcher 
belehrt, und der leichtglüubigen Excellenz, welche alles glaubt 
und zugiebtl 
Entschuldigte ich aber oben gewissermassen VasarPsi 
Parteisamkeit mit den Voruriheilen seiner Erziehung, die man 
S0 schwer ablegt, so muss ich auch gegen Boschini diese 
Billiglrcit haben, um so mehr, je weniger Anlass er hatte, sie 
abzulegen, da er nie in Florenz oder Rom gewesen war und 
von den auswärtigen Schulen nur nach Hörensagen urtheilte. 
Allerdings führt er zu Gunsten der Venediger nicht einen, son- 
dern mehrere treffliche Männer an; wie Velaseo, welcher dem 
Salvator Rosa betheuerte, nachdem er Venedig gesehen, ge- 
falle Raffaelihm fast gar nicht; und Rubens, der sechs 
und ein halb Jahr lohne sonderliehes Fördernis in Rom verlebt 
und mm seinen Styl nach 'l'izian's Mustern gebildet habe; 
ferner Alban o, der es bedauerte, nicht lieber in Venedig, als 
i" Rum studirt zu haben, und Pier da Cortona, der, nach- 
dWl er die venediger Schule kennen gelernt, zwei Zimmer im
        

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