Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292407
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
teil: 
P a ol 0 ' s Schule beginnt, wie die andern bisher genann- 
mit seinem Hause; zunächst mit B e n e d e tt o, seinem jün- 
dig besitzt mehrere treftliche Werke des Paolo V eronese, unter 
andern auch eine Madonna mit. vielen Heiligen, so wie auch Ge- 
lnälde von Bencdetto, seinem Bruder, und Carlo, seinem Sohne. 
Die Dresdner Gallerie aber hat von Paolo eilten Schatz, der nicht 
genug gewürdigt und nur von Venedig überboten werden kann. 
Aus Kupferstichen kann man diesen Meister nur unvollkommm 
kennen lernen, weil die Kupferstecherei den Glanz der Farben und 
ein über ein ganzes Bild ausgeströmtes Licht: nicht wiederzugeben 
vermag und daher die Kupferstecher solche Bilder wählen, wo ein 
von dunkeln Schatten umgebenes Licht sich zeigt, wenn sie es auf 
EEecte anlegen. Da die bessern xieusten Stecher auf solche Kunstg 
sliicke nicht ausgehn, so ist in neuster Zeit; wenig xiach Veronese 
gestochen worden und daher noch ziemlich vollständig, was Hans 
Ru dolph FüsslPs Ifrilisclies Verzoiclntiss der besten nach den 
berühmtesten Ilfalern aller Schulen vorhandener: Kupferslirlis, 3. Tllv. 
S. 126 auführt. 
Paul Veronese malte mit ertnunlicher Leichtigkeit und Sicher- 
heit. Seine {Farbe ist auch darum so rein und kräftig, weil er sie 
nicht quälte, sondern auf das erstenial den rechten Ton traf. Auch 
lasirte er weniger, als andere Venedigcr, und daher werden seine 
Bilder nicht so leicht durch Reinigung verderbt. Wie Tizian in 
seiner besten Zeit, liebt Pztolo ein volles Licht und meidet die fin- 
stern Schatten, und dennoch runden sich alle Gestalten durch die ge- 
naue Beobachtung der Wirkungen der Farben und des. Lichts auf 
das Auge. Alle Theile eines menschlichen gesunden Körpers, auf 
welche das Sonnenlicht gerade auffällt, haben eine röthlich gelbliche 
Farbe und zugleich ist es die, welche das Auge am meisten reizt, 
ihm gleichsam freundlich entgegenleuchtet und von diesem Sinnor- 
gane am lebhaftesten aufgenommen wird. Daher treten so beleuch- 
tete und gefärbte Stellen scheinbar hervor. Andere Theile, welche 
nicht den Strahlen zugewendet, sondern seitwärts liegen, empfangen 
ihre Beleuchtung durch {Viedcrscheine von nähern und fernem be- 
leuchteten Gegenständen, ja -der durch Licht erfüllten Atmosphäre, 
und diese VYiederscheine hauchen gleichsam den Theilen, auf welche 
sie fallen, die Farbe der Gegenstände an, von welchen sie abprallen. 
Da nun diese Wliederscheiite bluuliclt sind, wenn sie aus der freien 
Luft kommen, so theilen sie diese blauliche Farbe dem weniger be- 
leuchteten Gegenstunde mit, und wenn dies eine zarte Haut ist, so 
entsteht aus der Mischung mit der bloss gelhrötlilichen Farbe ein 
Lichtgraulichgrün. Diese Färbung fällt; aber dem Auge, weil sie 
matter ist, weniger auf, und so weichen diese Theile scheinbar zu- 
rück, uud erscheinen als l-lalbschatten, selbst wenn sie fast so hell 
sind, wie die beleuchteten Stellen. Durch Farbe scheinbar hervor- 
tljetende und zurückweichende Stellen bilden eine scheinbare Run- 
dung; und da Tizian und l'aolo dies treu beobachteten, so runden 
sich ihre Gestalten ohne Aufwand von starken Schatten und schar- 
fen Gegensätzen von Hell und Dunkel; ja die entzückenden Glieder, 
die sie malen, schwimmen- in Licht und Helligkeit und doch glaubt 
man sie umfassen zu können. Auch beobachteten sie die Zuammen- 
stellung solcher Farben, die sich gegenseitig heben, wie Gelb und 
Blau, Rolh und Grün, und vermieden dies, wo sie eine sanfte, stieh-
        

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