Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292353
Zweiter Zeitraum. 
Giorgione, 
Tizian, 
Tintoretto 
etc. 
141 
genannten Künstler eingenommen fand, und in den ersten Jah- 
ren nicht in seiner Vaterstadt geachtet ward. Das Volk, wel- 
ches einem aufblühenden Rufe nur langsam seinen Beifall 
schenkt, wusste oder glaubte nicht, dass er bei dem YVettstreite 
111 Mantua alle übertroffen hatte, so dass mithin der Jüngling 
Rlls Noth Verona verliess und über einem Altar zu S. Fermo 
eine liladonna zwischen zwei heiligen Frauen und wenig andere 
Erstlinge seines grossen Geistes hinterliess. Er ging zuvör- 
llerst nach Vicenza, von da nach Venedig. Sein Talent war 
an sich edel, hehr, prachtvoll, anmuthig, umfassend, und keine 
Landstadt konnte ihm seinem Genius angemessene Ideen anre- 
gen, als Venedig. Hier suchte er nun sein Colorit nach Ti- 
zian und Tintoretto zu bessern; aber es scheint, als habe 
er sich vorgenommen, sie an Zierlichkeit und Mannichfaltigkeit 
der Ausschmückung zu überbieten. Daher sagten seine Schü- 
ler, er habe seit der Zeit viel nach Gypsabgüssen alter Stand- 
bilder, Stichen von Parmigianino und Albrecht Dürer 
studirt. Seine ersten dortigen Arbeiten in der Sacristei von S. 
Sebastian geben nur die ersten Keime seines Styls in den Köp- 
fen, den mannichfaltigen Gewanden und Bewegungen kund; 
übrigens war sein Pinsel noch schüchtern, mehr ein fleisiges 
Vereinen der 'l'inten, als ein leichter und freier Schwung. Immer 
freier und reizender ward er kurz darauf in den Deckengemäl- 
den derselben Kirche, wo er die Geschichte der Esther dar- 
stellte; eine Arbeit, die durch ihre Neuheit ihm die Blewunder- 
ung der Stadt erwarb und den Weg zu höchst ehrenvollen Auf; 
trägen des Raths bahnte. 
Unterdessen hatte er Musse Rom zu sehen, wohin ihn der 
Gesandte Grimani mitnahm, und Angesichts der dortigen alten 
und neuen Werke fühlte er seine Schwingen wachsen, wie er 
nachher im öffentlichen Palast von Venedig zeigte. Hier prach- 
tet nun seine Einbildungskraft in jedem Bilde, besonders aber 
in der gewissermassen Vergötterung zu nenncnden Vcnezia, der 
königlich bekleideten, hochgestellten, vom Ruhm gekrön- 
ten, von dem Gerücht gefeierten, von Ehre, Freiheit und 
Frieden geleiteten; dabei stehen Juno und Ceres, ihre Grösse 
und ihr Glück zu versinnbilden. Die Höhe ist mit prachtvol- 
len Bauwerken mit Säulen verziert; tiefer unten sieht man 
auf ßiner Gallerie eine grosse Menge Matronen mit ihren Kin-
        

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