Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292326
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Oberilalien. 
Venediger 
Schule. 
Gekrönten des Giulio in S. Apollinare mit dem Paradiese des 
Marco in S. Bartolommeo vergleicht, iindet eine angenehme, 
bestimmte, wohlgeordnete Behandlung darin, welche beweiset, 
dass sie in Einer Schule gebildet wurden. 
Brusasorci kann der Tizian dieser Schule heissen. 
Man weiss nicht, dass er nach Giolfino einen andern Meister 
gehabt hätte, wohl aber, dass er nach Venedig gegangen und 
dort Giorgione's und Tizian's Arbeiten studirt. Des Letz- 
ternStyle hat er in einigen Bildern sich sehr genähert, wie in 
einem heil. Rochus zu Verona in der Augustinerkirche, und in 
einigen Cabinetbildern, wo er Veneres, oder Nymphen dargestellt 
hat. Ein an die ureigenen besten venediger Werke gewöhntes 
Auge unterscheidet die Verschiedenheit der Tinten, die bei dem 
Veroner nicht so warm sind. Sein Geist konnte sich nicht auf 
die Nachahmung eines Einzigen beschränken, wie einige Vene- 
diger gethan haben; er schloss sich auch an Giorgione und 
aus einem noch in Mantua vorhandenen Bilde sieht man, dass 
auch Parmigianino ihm gefiel. Dort ist im herzoglichen 
Palast die Fabel von Phaethon auf mehrern Bildern dargestellt, 
worin man, trotz den Beschädigungen durch die Zeit, doch 
die Seltsamkcit, Lebhaftigkeit und Fülle der Bilder und schwie- 
rigen Verkürzungen bewundert. Sein grösstes Verdienst aber ist 
in Wandgemälden, womit er dichterisch gebildet und malerisch 
tüchtig Landhäuser und Paläste schmückte. Auch Geschichtli- 
ches hat er dort gemalt; und sein Meisterstück, soviel ich von 
ihm gesehen, ist der Ritt Clemens Vlll. und Karls V. in B0- 
logna, dargestellt zu Verona in einem Saale des Hauses Ridolü, 
auch in Kupfer gestochen. Ein herrlicheres Schauspiel kann 
man nicht sehen; und wie viele musterhafte Darstellungen die- 
ser und ähnlicher Gegenstände in Rom, Venedig und Florenz 
zu sehen sind, keine überrascht so: eine grosse Vfplksmenge, 
schöne Vertheilung der Figuren, Lebhaftigkeit der Bildnisse, 
schöne Bewegungen der Menschen und Pferde, Mannichfaltig- 
keit der Trachten, Pracht, Glanz, Würde, Freude, wie sie die- 
sem Tage ziemen. Dies Bild wetteifert mit einem andern, auch 
auf Kalk, im Palast Murari aPonte Nuovo; ja von vielcnKunst- 
verständigen wird es, wie mir dalla Rosa sagt, dem des 
Hauses Ridolli noch vorgezogen. 
Felice Riecio, oder Brusasorci der jüngere, Dome-
        

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