Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292237
Zweiter Zeitraum. 
Giorgione, 
Tizian, 
Tintoretto 
etc. 
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frei von Verstössen gegen Perspective, Stellung, Composi. 
tion und besonders Symmetrie sind; denn es ist ziemlich 
allgemeines Urtheil, dass er in Zeichnung der Extremitäten 
nichts leistete, und darum möglichst vermied, Hände und Füsse 
zu malen. Diese und andere Rügen kann man nun wol mil- 
dern, wenn man Arbeiten von ihm nachweiset, aus welchen sich 
ßrgiebt, dass er, wenn er wollte, es besser machen konnte. Er 
konnte gar wohl mannichfaltig in seinen Compositionen seyn, 
Wie in der Geburt in der Ambrosiana in Mailand; konnte wohl 
gehörig und neu auffassen, wie im S. Rochus zu Vicenza; wohl 
die Extremitäten zeichnen, wie im heil. Petrus zu Venedig in 
de? Kirche dell' Umilta; wohl die Gesichter adeln, wie in einem 
Bilde der Königin von Saba zu Brescia. Aber er wollte es 
nur selten, weil es ihm zuviel Arbeit kostete, oder aus andern 
Gründen; ihm gniigte, es im Colorit, in Beleuchtung und Ver- 
Schattung zum Höchsten gebracht zu haben. Auch gefiel er 
S0 allgemein, dass er viele Aufträge von Höfen bekam und der 
Wiener ihn in seine Dienste nehmen wollte. Ja, was noch 
mehr sagen will, trotz seiner Mängel ivard er von andern be- 
rühmten Malern, Vasari ausgenommen, ansserordentlich ge- 
lobt, wie Tizian, Annibal Caracci, der sich durch ein 
gemaltes Buch täuschen liess, wonach er, wie nach einem wah- 
ren, grilf; von Tintoretto, der sieh sein Colorit wünschte, 
und in manchen Stücken nachahmen wollte. Vor allen aber 
ehrte ihn Paolo Veronese, der ihm seinen Sohn Carletto 
in die Lehre gab, um ihn in vielem, besonders aber in der 
richtigen Vertheilung der Lichter unter die verschiedenen Ge- 
genstände und in jenen glücklichen Gegenstellungen zu unter- 
weisen, wodurch die gemalten Gegenstände wirklich leuchten; 
ein grosses Lob, das Algarotti Jacopo's Styl ertheilt! 
Bassano unterrichtete vier Söhne in der Malerei, Welche 
diese Kunst auf andere fortpflanzten, so dass die bassaner 
Schule einige Jahrhunderte fortlebte, immer jedoch im Abneh- 
men und von ihrem ersten Glanze sich entfernend. Fran- 
cßsco und Leandro waren am meisten begabt, ihm zu fol- 
gen, und er pflegte des Ersten sich wegen seiner Eriindungs- 
gäbe, des Zweiten wegen seiner Bildnismalerei zu rühmen. Von 
den zwei andern, Ginmbatista und Girolamo, pflegte er 
zu Sägen, sie wären die besten Copisten seiner Werke. Alle, 
Ü. Bd. I
        

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