Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292209
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Der Tod seines Vaters zwang ihn heimzukehren und sich 
in seinem Geburtsorte niederzulassen, jetzt einer volkreichcn 
und reichen Stadt, damals kein verächtlicher Flecken, anmuthig 
gelegen, überreich an Küh- und Schafheerden, für Miirlrte und 
Messen sehr gelegen. Durch diese Umstände bedingttentstand 
allmälig sein dritter Styl, ganz Einfalt, Natur und Anmuth, 
welcher in Italien Vorsehmack eines ganz fremden, des nieder- 
ländischen, war. In Führung des Pinsels, kann man sagen, 
verfuhr Jacopo-auf doppelte iVeise; einmal, indem er sich 
anfangs auf schöne Vereinigung der Tinten beschränkte, welche 
am Ende mit freien Finselstriehen sich entschied; dann  wozu 
der Weg freilich nur durch die erste geht  durch einfache 
Pinselstriche mit lieblichen leuchtenden Tinten und eine gewisse 
Uebermacht, ja_ fast Verachtung, welche in der Nähe wie ein 
verworrener Auftrag aussieht, von fern aber einen höchst an- 
genehmen Zauber des Colorits bildet. In beiden Arten ent- 
wickelt er die Ureigenheit seines Styls, welche hauptsächlich 
in einer gcivissen geschmackvollen Composition besteht. Sie 
hat zugleich etwas Dreieckiges und Kreisiges, und sucht ge- 
wisse Gegenstellungen, so dass, wenn eine Figur im Vollgesicht 
steht, die andere den Rücken wendet; dabei auch einen Gleich- 
verhalt, so dass in derselben Linie mehrere Köpfe, und in ihrer 
Ermangelung ein anderer hervortretender Körper in dieser Rich- 
tung steht. Das Licht anlangend, liebt er das gesperrte und 
weiss es meisterhaft für die Harmonie zu benützen; denn die 
cntgggengesetztesten Farben bringt er durch seltene Lichter, 
häufige llalbtinten und entzogenes Schwarz wunder-Lärm], in 
Uebereinstimmung. lm Abstufen der Lichter lässt er oft den 
Schatten der inneren Figur der äussern zum Grunde dienen, 
und giebt den Figuren wenig Lichter, aber scharfe und starke, 
wo sie einen Winkel bilden, wie auf der Spitze der Schultern, 
am Knie, am Ellbogen; zu welchem Ende er auch einen schein- 
bar natürlichen, aber in der That zu Gunsten des Systems 
sehr berechneten Faltenwurf hat. Nach der Verschiedenheit des 
Zeuchs wechselte er die Falten mit so feiner Verständigkeit, 
wie nur wenige vermögen. Seine Farben leuchten aber den- 
noch wie Edelsteine, besonders die grünen, welche ein ihm 
ganz allein eigenes Smaragd haben. Wer sein Verfahren ken- 
nen lernen und seinen Styl zergliedcrt seilen will, lese darüber
        

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