Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292167
122 
Oberitzxlien. 
Venediger 
Schule. 
hältnisse der Körper sind anders; er liebt nicht Tizian's Fülle, 
arbeitet mehr auf Behendigkeit hin und verschmäichtiget zuwei- 
len zu sehr. Am meisten ist in seinen Gemälden die Gewan- 
dung vernachlässigt; selten sind die Falten nicht lange und 
gerade Röhren, oder flatternd, oder sonstwie handwerklich hin- 
gearbeitet. Ueberlseine Fehler gegen die Besonnenheit, oder 
malerische Uebertreibungen brauche ich nichts zu sagen, da 
Valsari schon bei Gelegenheit des Weltgerichts zu S. Maria 
delliOrto nur zu viel davon gesprochen hat. 
Gleichwol musste auch dieser ein Tadler eingestehen, 
dass, wenn der Künstler in diesem, wie in andern Gemälden, 
die Theile wie das Ganze beachtet hätte, es ein staunensiver- 
thes Werk seyn würde. Auch wo er, so zu sagen, stegreifelte, 
führt er den Pinsel noch immer mit Meisterschaft, verrüth er 
noch immer einen gewissen urkrüftigen Geist im Spiel des 
Lichts, in schwierigen Verkürzungen, launenhaften Erfindungen, 
Rundung, Zusammenstimmung, und wo man so glücklich ist, 
gut erhaltene Werke zu finden, auch in Anmuth der Tinten. 
Vor allem meiterlich ist er in Beseelung der Figuren, und es 
ist allgemeine, fast zum Sprichwort gewordene Meinung, dass 
man die Bewegung in Tintoretto studiren müsse. Hierüber 
pflegte Pietro da Cortona zu sagen, wenn man alle in 
Kupfer gestoehene Gemälde betrachtete, würde man keinen von 
gleich malerisehem Feuer durchglühten Künstler, wie ihn, lin- 
den. (Bosch. p. 285). Er lebte lange und immer thiitig, so 
dass ein Verzeichnis seiner Arbeiten ganz unmöglich ist, "m1 
immer athmete er, so weit es ihm vergönnt war, seine gmssc 
Begeisterung in grossen, oder wenigstens an handelnden Figuren 
höchst reichen Gemälden aus, unter welchen auch von den 
Caracci das Paradies mit fast unzähligen Figuren im, Saale 
des hohen Itathscollegiums gepriesen und bewundert wird, wel- 
ches er im Alter. malte. Wären" diese Hguren nur minder ge- 
häuft und besser vertheilt, so würde Algaro tti dies Gemälde 
nicht, wie er doch gethan, als ein Muster schlecht ausgesan- 
nener Composition getadelt haben  In italienischen Gallerien 
50) Dies ungeheuer grusse Gemälde verfehlt ganz seine Wlirkung 
und erregt nur Langeweile, wenn man die Menge von Figuren er- 
wägt, deren keine einzige das Gemüth ansprirht. In: Ganzen betrach-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.