Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1292156
13' weiter Zeitraum. 
Giorgione, Tiziano, Tintoretto etc. 
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schrieb, weil sie ihm unter allen am meisten gefielen, sind ei- 
nes sg gmssen Namens würdig; Zanetti verzeichnet noch 
viele andere mit ausnehmendcm Fleisse ausgeführte, alle öffent- 
lich in Venedig aufgestellt, ohne noch die zu erwähnen, welche 
Ü! andern Städten Europas zerstreut sind. 
Aber Fleiss paart sich selten mit der Wuth viel zu ferti- 
"gen; dieser an unserm, wie gar vielen Künstlern, wahren Quelle 
des schlecht, oder wenigstens minder gut Arbeitens. Darum 
schrieb Annibale Caracci, Tintoretto sei in vielen Ge- 
mälden unter Tintoretto; und Paolo Veronese, der sein 
Talent so sehr bewunderte, pflegte zu klagen, das er durch 
das Malen in jeder Manier die Künstler verderbe, und damit 
gerade den Begriff der Kunstübung vernichte (Ridolfi), 
Dergleichen Ausstellungen treffen nicht wenige von seinen Wer- 
ken, die auf den ersten Wurf hin unternommen, fertigkeits- 
miissig ausgeführt, grossentheils unvollständig gelassen, nicht 
ßhneFehler in Zeichnung und Urtheil sind. Da. findet sich 
manchmal eine Menge überflüssiger, oder schlecht geordneter 
Figuren ein, und noch häuiiger sind sie alle in lebhafter Hand- 
lung ohne ruhig betrachtende Zuschauer, wie doch Tizian 
und gute Componisten zu malen gewohnt sind. In diesen Fi- 
guren darf man jene rathsherrliche Würde, die Reynolds in 
Tizian fand, nicht suchen. Tintoretto dachte mehr auf 
Weidlich munteres Wesen, als anständige Haltung, nahm aus 
dem Volke seiner Vaterstadt, welches vielleicht das mun- 
terste in Italien ist, seine Muster zu Köpfen und Gebärden, 
und brauchte sie zuweilen in höchst aehtbaren Gegenständen. 
Auf manchen Abendmalsbildern sieht ein oder der andere Apo. 
stel wie ein Gondolier auf dem Canal, wenn er das Ruder zu 
führen einen Arm hebt, die Brust senkt und mit einer ange- 
borenen Wildheit den Kopf emporhält, zu sehen, zu witzeln, 
Oder zu streiten. Auch Tiziarfs Weise zu coloriren verän- 
derte er, indem er nicht mit Weiss oder Gyps, sondern mit 
Dunkel gründete, wesshalb auch seine Bilder in Venedig mehr 
als andere gelitten haben. Die Wahl der Farben und der Haupt- 
fon ist ebenfalls nicht, wie beilTizian; blau oder grünlich 
ist die herrschende Farbe, die, wenn dem Helldunkel förderlich, 
de? Anmuth nachtheilig ist. Im Fleische tritt oft, besonders 
in Bildnisen, eine Art Rothwcinfarbe hervor. Auch die Ver-
        

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