Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291947
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
morwerke sammeln, welche der Kunst immer förderlich, wenn 
gleich vonmittelmässigen Künstlern sind. S0 viel Antheil hat 
am Verdienst eines Künstlers der Ruf eines berühmten Meisters 
und der Styl einer gefeierten Zeitl An seinem Namen habe 
ich zweifeln hören, obwol er in dem Nekrolog von S. Panta- 
leone ausdrücklich der Maler Polidoro genannt wird. Diesen 
Zweifel veranlasste ein ablanges Bildchen im Style der Poli- 
doroschen Madonnen bei den Edlen Pisani, wo ein so köst- 
licher Vorrath von Denkmälern und Büchern vorhanden ist; 
dort steht der Name des Künstlers unterzeichnet: Gregorius 
Parideus. Aber diese etwanige Namensähnlichkeit gnügt kei- 
neswegs, den Polidoro als Urheber jenes Bildes aufzudecken; 
wahrscheinlicher macht es uns mit einem, wie es denn auch 
andern schwachen Pinslern ergeht, in Vergessenheit gerathenen 
Tizianistcn bekannt. Unter die schwachen ist Gio. Sil- 
vio nus Venedig nicht zu rechnen; bisher in der Geschichte 
seines Vaterlandes ungenannt, macht er seinen Anspruch darauf 
wieder geltend durch mehrere im Trevigigebiet zerstreute Ar- 
beiten und ein sehr zierliches Bild auf Holz, welches er 1532 
für die Collegienkirche von Piove di Saecc, einem Landgericht 
im Paduauischen, malte. Es stellt den heil. Martin auf dem 
Bischofsitze dar zwischen den Aposteln Petrus und Paulus; drei 
Engel sind sein Hofgeleit, zwei regieren den Krummstab, einer 
spielt am Fusse des Throns die Cither, eine anmuthige Gestalt, so 
natürlich und, wie die übrigen, ganz in Tizianschem Ge- 
schmuck; so dass, wenn man Silvio nicht mit Gewissheit 
Tizian's Schüler nennen, man es doch mit vielem Grunde 
vermuthen kann. 
Dem Abt Morclli, der in seiner Notizia den wahren Ge- 
burtsort des Bonifazio veneziano entdeckt hat, verdanke 
ich, dass ich ihn gegen Vasari, Rilißlfi, Zanetti, die ihn 
zu einem Venediger machen, den Veroner nenne. Ridolfi 
hielt ihn für einen Schüler Palnnfs, Bosehini für Ti- 
zianßs Jünger und Nachfolger, wie den Schatten eines Kör- 
pers. Oft hörte man zu Boschinüs Zeit, und in Venedig 
noch jetzt bei zweifelhaften Bildern fragen: ist es von Ti zian, 
oder Bonifazio? Mehr als in andern Bildern kam er dem 
Veeelli nahe in dem Abendmal U. H. im Karthiiuserkioster. 
Oefter hat er einen Charakter, der einen freien, schöpferischen
        

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