Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291911
Zweiter 
Zeitraum. 
Giorgione, Tiziano, Tintoretto etc. 
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weil er mitTiz ian's Jüngern wetteiferte und nicht immer von 
ihnen besiegt ward. Die Veeellischen Nebenbuhler waren 
Francesco, Tizian's Bruder, und Orazio, sein eigener 
Sohn. Sie kamen ihm iiu Style sehr nah, lagen aber der 
Kunst wenig ob, der Eine, weil ihn anfangs das Soldatenlebezi, 
dann der Handel abzog; der Andere, weil er viel Geld und 
Zeit mit Alchimie vergcudete. Vom Erstem sind etliche Ge- 
mälde in S. Salvatore zu Venedig; eine sehr schöne Magdalena 
zu des auferstandenen Christi Füssen zu Oriago am Ufer des 
Brentaflusses; und eine staunenswerthe Geburt U. H. zuEel- 
luno in S. Giuseppe, welche immer für ein ausgezeichnetes Werk 
Tizian's gehalten ward, bis Doglioni in ächten Urkunden 
den wahren Maler entdeckte. Was aber Tizian's Eifersucht 
erregte, war das Bild in S. Vito zu Cadore, wo unter andern Hei- 
ligen der, von Welchem der Flecken den Namen erhielt, als Krie- 
ger dargestellt ist. Der Zweite vorzüglich war ein guter Bild- 
nismaler, so dass er in einigen mit dem Vater selbst wetteiferte. 
Auch malte er ein Geschichtbild für das Stadthaus, welches aber 
bei einer Feuersbrunst mit verbrannte; es war sehr schön, 
aber von Tizian selbst überarbeitet"). Dass ein anderer 
Sohn Tizian's, Pomp onio, gemalt hiitte, kann ich nicht 
finden; er überlebte Vater und Bruder, die in demselben Jahre 
starben, und brachte die Erbschaft durch. 
Mehr Ehre machte der Familie lllarco Vecellio, der als 
Neffe, Schüler und treuer Reisegefiihrte des grossen Vecellio, 
Marco di Tiziano genannt ward. Dieser war in der ein- 
fachen Composition und im Technischen der Malerei ein guter 
Nachfolger seines Meisters; doch verstand er es nicht, wie die- 
ser, die Gestalten zu beseelen und den Besehauer anzuziehen; 
dennoch war er würdig, die venediger Curie in mehren Zim- 
mern mit Geschichtbildern und Heiligenbildnissen zu schmücken, 
die noch vorhanden sind. Eben so sind auch noch einige Al- 
farbilder von ihm in Venedig, Trevigi und Friaul vorhanden, 
llnd besonders wird ein grosses Bild auf Leinwand in einer 
L 
31) Wie verträgt Slelis mit dem Tizian aufgerückten Neide, dass 
ßr soviele Arbeiten seiner Nachahmer durch Uebermalen verbesserte! 
Einem Manne, der so heitere, grossartige Werke lieferte, wie Ti- 
flßn, der in so glücklichen Verhältnissen lebte, sieht Neid nicht 
ahnlich. Q, 
ll. Bd. G
        

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