Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291901
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Oberitalien. 
Venediger 
Schule. 
Geschichtsehreiber macht dabei die Bemerkung: „Man sehe, wie 
klugl" Ich möchte noch eine machen: „Merkc wohl, dass man 
Tizian's Werth nicht, wie wol zuweilen geschieht, nach sol- 
chen Bemerkungen ermessen dürfe 30)l"' 
Der gewohnten Ordnung zufolge will ich nun von Ti- 
zian's Nachahmern reden. Er war kein so guter Meister, als 
llialer. War ihm nun das Lehren verdriisslich und unerträg- 
lich, oder war es vielmehr Furcht, einen Nebenbuhler aufstehen 
zu sehen, er war spröde mit Belehrung. Gegen Paris Bor- 
done, der vor Lust brannte, ihm ähnlich zu werden, war er 
stets streng und bekriegte ihn sogar; Tintoretto jagte er 
aus seinem Arbeitzimmer, und den eigenen Bruder, der ganz 
besondere Anlage zur Malerei zeigte, bestimmte er mit List, 
den Handelstand zu ergreifen. Daher, sagt Vasari, kann man 
nicht gar viele wirkliche Schüler von ihm nennen, weil er nicht 
viel gelehrt, sondern jeder mehr oder weniger, wie er eben 
vermochte, aus Tizian's Arbeiten lernte. 
Seine Familie zählte mehrere Künstler und wer ihre Reih- 
folge kennen lernen will, kann sie in Catlore, zum Theil auch 
in Belluno, nahe bei Cadore, kennen lernen. Dort blühte zur 
Zeit der Vecellj ein Niceolö di Stefano, achtungswerth, 
iiiii 
30) Es dürfte hier am Orte seyn, noch auf einige Kupferstiche auf- 
merksam zu machen, durch welche der Kunstliebhaber sich mit ei- 
nigen hauptsächlichen tVei-ken Tizians bekannt machen kann, wenn 
ihm die Gelegenheit fehlt, die Originale selbst zu sehn, was bei Wer- 
ken dieses Meisters von grössrer Wichtigkeit ist, als bei vielen an- 
dern; denn bei ihm ist Gedanke, Ausführung, Zeichnung und Fär- 
bung aus einem Erguss des Geistes und in unzertrennlicber Ueher- 
einstimmung und der Stich kann das Colorit höchstens doch nur an- 
deuten. 
Danae von R, Strenge, und Venus von eben demselben. Das 
Original von ersterer ist in Neapel, von letzterer in Florenz. Präsen- 
tation der Maria im Tempel von Andrea Z ucuhi, Wandgemälde in 
der Scunla della Caritä, jetzt das Akademiegehiiude in Venedig; ein 
vorzügliches Bild, aber ein schlechter Stich danach!  Pietro hier- 
tire, gestochen von Flelice Zuliuni, ist kräftig gestochen und zu 
empfehlen, Madonna mit Zwei Engeln ein meisterhafler Stich vnn' 
Anderlon i. Himmelfahrt der Maria, des Malers grösstes Werk, 
vormals in S. Maria gloriosa, jetzt in der Gallerie der Akademie in 
Venedig, tretllich gestochen von Natale Schiavon e. Adam und 
Eva, ein vorzügliches Blatt von Folo nach einem zweifelhaften T i- 
zianischen Gemälde. Ueber die Holzschnitte und Stiche, welche 
ihm zugeschrieben werden,'s.Bart sch Le Peintre Graveur. Vol. X VII. 
p. 93. - Q.
        

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