Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290546
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1291887
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Olaeritalien. 
Schule. 
Venediger 
Schule dieses Heiligen zu Padua sind Scenen, schrecklicher als 
welche hinsichtlich der Wildheit des Mörders, oder mitleidens- 
werther durch die Gebürde der Unterlicgenden vielleicht keine 
in der ganzen Malerei sich finden möchte. So ist auch die 
grosse Dornenkrönung alle Grazie zu Mailand von zauberischem 
Ausdruck. Auch von Costuni und Alterthumskunde hat er nicht 
wenig nachahmungswerthe Muster hinterlassen; wie er denn in 
der eben genannten Krönung, um die Zeit des Ereignisses ge- 
nau anzugeben, in das Prätorium (Feldherrenzelt) ein Brustbild 
des Tiberius setzte, wie Raffael und Poussin nicht besser 
hätten aussinnen können. In Architekturen bediente er sich 
zuweilen fremder Hülfc, besonders der Rosa aus Brescia; aus- 
serdem sind seine Fernungcn, wie in der Vorstellung Christi, 
sehr schön. Niemand glich ihm in Landschaften; und er hütete 
sich sie als blasse Zier, wie manche, zu brauchen, die, weil 
sie sich darin stark fühlen, beinah mitten im Meere Cypressen 
wachsen lassen. Bei Tizian dient immer '_die Landschaft der 
Begebenheit, wie der wilde Wald das Grausen des Mords auf 
dem Bilde des Petrus erhöht, oder die Gestaltenmehr zu heben, 
wie auf den Bildern, wo die Landschaft in der Ferne gedacht 
ist. Wie lebendig er die verschiedenen Lichtwirkungen dar- 
stellte, konnte man an dem Martyrthum des heil. Lorenzo bei 
den Jesuiten in Venedig sehen, wo er den- Glanz des Feuers, 
den Fackelglanz und den eines höhern Lichtes, das auf den 
heil. Martyr herabkommt, ganz verschieden ausdrückte. Das 
Bild ist von der Zeit sehr übel zugerichtet, und eine Art Wie- 
derholung davon ist im Escurial. Auch die Tageszeit stellte 
er sehr glücklich dar, und oft wählte er das Sinken des Tages, 
woraus er für die Malerei sehr schöne Schlagschatten schöpfte. 
Aus diesem Allen kann man, entnehmen, dass er nicht zu 
den Venedigern gehörte, welche Schnelligkeit von Ucberlegung 
und Fleiss trennten; obwol man auch von seiner Schnelligkeit 
mit Vorbehalt sprechen muss. Allerdings hatte er einen kecken 
Pinsel und brauchte ihn ohne Nachtheil für die Zeichnung bei 
den WVandmalereien in Padua, welche zum Theil den Verlust, 
welchen die Hauptstadt erlitt, ersetzen; hier hat sich nichts 
dieser Art erhalten, ausser ein Iheil. Christoph im herzoglichen 
Palast, eine in Charakter und Ausdruck stannenswcrthe Figur. 
ln seinen Oelbildern muss man diese Keckheit nicht suchen.
        

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