Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1284590
Florentiner 
Schuie. 
Abschnitt. 
25 
Gebäude S. Maria del Fiore zu sehen, und Giotto kennen 
zu lernen; und nun erzählt er weiter von zwei Arbeiten, die 
er in Florenz ausgeführt: erstens einer Madonna zwischen 
zwei kleinen Engeln über einer Thüre des Doms; dann der 
kleinen Taufe des Heil Johannes. Dies fiel in das Jahr 1297. 
Hier tritt nun Baldinucci mit der Bemerkung ein, dass, 
"wenn man unter den Werken dieses Künstlers zu Florenz das 
erwähnte Bild der Jungfrau Maria betrachte  man daran 
eine solche zunehmende Besserung  und soviel von Gi0tto's 
Manier sehe, dass kein Zweifel übrig bleibe, er könne sowol 
durch Nachahmung als Belehrung dieses Meisters, nach so viel- 
jühriger Uebung sein Schüler genannt werden." Jeder wache 
Leser aber wird auch hier keinen klaren Beweis der Behaup- 
tung, sondern nur eine Menge Schwierigkeiten linden. Jenes 
Bild nämlich wird mit andern von dem Pisaner in Florenz, 
ehe er Giotto kannte, gemalten verglichen; und doch war 
es das erste, welches er dort malte. Giovanni, der fast 
sechzigjährige Mann, oll Nachahmer des ein und zwanzigjäh- 
rigen Giotto gewesen seyn, da es doch viel wahrscheinlicher 
ist, dass Gio tto ihm, dem ersten Bildhauer seiner Zeit, nach- 
geahmt. Man spricht von Lehren, ,'welche dem Giovanni 
von Giotto ertheilt worden, der kurz darauf nach Rom ah- 
ging, wo er 1298 nach andern Arbeiten das Musivwverk des 
Schiifs 4') fertigte. Am Ende gründet sich das ganze Lehr- 
und Lernverhültniss auf Eine Figur. 
Wie wenig hängt die zusammen? Welche Wendungen, 
41) Dies Schiff stellt dasjenige vor, in welchem sich Christus auf! 
der See bei Sliirill befand und ruhig schlief. Es war dies ein Bild 
in Musaik an der allen Peterskirche in Rom. Als es der neuer- 
bauten Peterskirche wieder zum Schmucke dienen und über der ei- 
nen Thüre in der Vorhalle angebracht werden sollte, wurde 
es sehr ungeschickt von Marcello Pro ven zale hergestellt, der 
sich erkühnle Figuren von eigne-r blrfmdung, die Winde vorstellend, 
hinznznsetzen; so wie auch die eines Fischers.  
Eine ireizere, doch vmn Styl des Giotln nhweiehende grosso 
Zeichnung nach diesem Bilde und nicht, wie die Römischen Wege 
weiser den Fremden weiss machen, der Originalcarloil, helindet sich 
iri der Kirche della Cnrzceziune, Capucinerkirche, unweit des Palast: 
Barherirxi, Dn die ächle Navicella des Giotto schon so. lange un- 
lergegarsgen ist und sich doch inuner noch ihre Verehrung uüf den 
Wogen des Ruhms und der Vergessenheit obenauf erhält, so mual" 
es ein ausserordentllcbea Werk gewesen seyn. Q.
        

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