Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290294
Dritter Zeitr. 
Corenzio. Rib. Caracciolo. Fremde. 
595 
tete, gerieth er in das Qrausige und Sehwerfüllige. In der 
Perspective war er sehr brav, und in Verkürzung-ca ward er 
für sinnreich gehalten. Die Neapler Künstler haben, wie De- 
minici erzählt, oft zwei Bilder des heil. Michael verglichen, 
das eine von Lanfranco, das andere von Benaschi in 
der Apostelkirche, ohne entscheiden zu können, welchem von 
Beiden der Preis gebührc. 
Guercino war nie in Neapel; aber der Ritter Maria 
Preti, gewöhnlich der Calabrische Ritter genannt, begab sich, 
angezogen von seinem Style, nach Cento und genoss seinen 
Unterricht. Diese Nachricht theilt Dominici mit, der ihn 
sagen hörte, sein Meister sei, was die Schule anlange, Guer- 
cino, was aber das Studium, jeder tiichtige Maler gewesen, 
Und wirklich war er auch weit herum gereiset, und hatte die 
vorzüglichsten WVerke inner und ausser" Italien gesehen und 
studirt. Daher erging es ihm im Malen so, wie grossen Rei- 
senden im Gespräch, dass ihnen nämlich nicht leicht ein Ge-ß 
genstand vorkommt, wo sie nicht etwas Neues beibringen; und 
so scheinen auch bei Preti Trachten, Verzierungen, Bräuche 
oft neu und wunderlich. Sechs und zwanzig Jahre lang hatte 
er nicht gemalt, sondern nur sich im Zeichnen festgesetzt. 
Darin war er aber auch tüchtig, nicht sowol im 'Zarten,_ als 
im Derben und Riistigen; nur gerieth er zuweilen in das 
Schwcrfüllige. S0 war er auch im Colorit nicht leicht und 
lieblich, sondern trug stark auf, hatte ein vorwaltendes Hell- 
dunkel, einen fast grauen, für tragische und traurige Gegen- 
stände geeigneten Hauptton. Da er sich nun wohl kannte, 
so malte er auch gern Iilartyrtode, lliorde, Pest, Reuethriinen; 
dies waren seine liebsten Gegenstände. Er pflegte, sagt Pan- 
eoli, wenigstens bei grössern Arbeiten, frischhin zu malen 
und immer nach der Natur, obwol er sich nachher nicht sehr 
mit Verbesserung und Ausdruck der Leidenschaften befaste. 
Er malte grosse Wandbilder in Neapel, Modena und Malta. 
Minder glücktcn ihm in Rom in S. Andrea della Volle drei 
grosse Geschichtbihler des Kirchenheiligen unter der Tribune 
des Domenichino. Das Werk verschwindet ganz in solcher 
Nähe; ohnediesistehen die Figuren nicht in Verhältnis zum 
Orte und werden schwer. Seine Oelbilder sind in Italien un- 
zühlig; denn er lebte lange, arbeitete schnell, liess, wohin er 
P p 2
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.