Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1284271
Vorwort. 
XXV 
und abzunrteln nur Künstlern gebührt. Kunstfreunrle habe 
ich ebenfalls vernommen, die in manchen Punkten gleich 
scharfsichtig sind, wie Künstler, ja von diesen oft de- 
miitltig z. B, über das Bräuchliche in der Geschichte, 
über das Eigcnthümliche und Schickliche in der Erfin- 
dung, im Ausdruck, in der Nachahmung des Alten, in 
der Wahrheit der Farbe, befragt werden. Nicht minder 
habe ich selbst einen grossen Theil der bessern Erzeug- 
nisse der Italienischen Schulen betrachtet und mich in 
Städten erkundigt, wie die liinsichtigen über ihre nicht 
so bekannten Maler tirtheilen; denn Wn man mehr Werke 
sieht, und wo Einheimische, wie Fremde, öfter, als an- 
derswo, davon sprechen, lässt sich auch ein besseres 
Unheil vermuthen. S0 hahe ich denn nicht wenig Künst- 
lern ihren Ruf bewahrt, welche bloss deshalb vergessen 
wurden, weil derlGeschichtschreiber ihrer Schule entwe- 
der nichts, oder etwa nur ein sclnvaclies Erzeugniss, ci- 
nen Jugendversuch in einer Stadt gesehen, aber von ih- 
ren anderweitigen kunslreichern und reifern Werken nichts 
wusstß 20)- 
 20) S0 wie lianzi sich des eignen Urtheils begieht, so ist die kunst- 
richlerliche auch die schwächste Seite seines verdienstvollen Werks. 
Denn dadurch, däss er bald der Stimme der Mehrzahl, und bald wie- 
der einzelner berühmter Kunstlcexmer folgte, entstanden eo viele par. 
leiische, einseitige, einer Mudeansicht ahgelernte, untereinander in 
tlYirlerspruch stehende Urtheile, denen eigne Ueberzeu-guxig als feste 
Grundlage fehlt; und Vasari, dcr oft leidenschaftlicher Vorliebe sich 
hingiebt, oft über alle Maasen lobt, aber nur Selten purteilich Vor-- 
dienätvolles verkennt, ist als Benrtheiler immer liebenswürdig und 
wahrhafter, weil er seiner eignen Ueberzeuguug folgte. Vas ari macht 
hierin eine seltene Ausnahme von vielen Künstlern, deren Urtheile 
gewöhnlich sehr einseitig und bedingt sind, die oft durch die ihrer 
eignen ähnliche Manier bestochen, und durch andrer Vorzüge gegen 
fremde Werke eingenommen werden. Auch legen gewöhnlich Künst- 
ler einen zu grossen Werth auf die technische Behandlung der Kunst-
        

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