Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1290038
Zw. Zeitr. Einüuss Raff. u. Michel. auf d. N eapol. Schule. 
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Gio. Francesco Penni, oder il Fattore kam einige, 
Zeit nach Polidoro nach Neapel, und starb bald darauf 15-28. 
Er trug auf zweifache Weise zu Förderung der Neapler Schule 
bei; einmal, indem er das grosse Abbild der Raffaelschen 
Verklärung 5) dort liess, welches er in Rom mit P erinu ge- 
malt hatte, und das nachher in S. Spirito degli lncurabili auf- 
gestellt Lama und den besten Malern zum Studium diente, 
bis es mit andern auserlesenen Bildern und Bildwerken in Nea- 
pel vom Vicekönig Don Pietro Antonio d'Aragona gekauft und. 
fortgeschafft ward. Zweitens hinterliess er dort einen Schüler, 
Namens Lionardo, von seinem Geburtsort gewöhnlich il 
Pistoja genannt, einen trefilichen Coloristcn, wiewol in der 
Zeichnung nicht gleich tüchtig. Wir haben bei Raffael von 
reuigen Sünderinnen, wo PoliduroH Pietä. und Marianws Mu- 
donna della Cerilä unfern von einander sind. 
Stefano Giordano war auch ein guter Nachtreter Calda- 
raüs, und als ein vorzügliches Wierk von ihm wird sein grosses 
Abendmahl im Kloster des heil. Gregor von 1541 gelobt. Mit ihm 
hält Jacopo V ignerio Schritt, dessen 1552. gemaltes Bild, Chri- 
Slus als Kreuzträger, in S. lllaria della. Scalu, als trelllich geschildert 
wird. 
Ich schliesse dies Verzeichnis mit dem rucblosen Calabrier Ton- 
no, welcher dem Schulenhaupte das Leben nahm, um ihm sein Geld 
zu stehlen; welches greuliche Verbrechen er mit dem Galgen büsste. 
Er war kein gemeiner Maler, soviel man aus seiner Erscheinung in 
der Andi'easkii1:he eben kann, wo er in einer Figur das Gesicht de 
unglücklichen Meisters wieder-gab. 
Mancher wird vielleicht auch Antonio Catalano zu Poli- 
d0ro's Schule ziehen wollen, weil er Deodato's Schüler war. 
Allef die Geschichte sagt, dass dieser nach Rom gegangen, um bei 
Baroeci zu lernen. Da nun aber Barocci nie in Rom lehrte, so 
müssen wir vielmehr sagen, er habe diesen studirt und so dies 
blühende Colorit, das Duftige gewonnen, das er mit etwas Geschmack 
RaffaeUs zu verbinden wusste, der sein anderes hochverehrtes 
Muster war. Seine Bilder haben wegen dieses Vereins zweier Style 
viel Werth, und besonders wird sein grosses Bild, die Geburt, bei 
den Capucinern del Gesso gelobt. Man darf diesen nicht mit dem 
jüngern Antonio Catalano verwechseln, Gio. Simone Co- 
mandeäs Schüler, aus dessen und Anderer Styl er sich einen sehr 
lebendigen, aber uncorrecteil und flüchtigen bildete, so dass mm; viele 
Bilder von ihm hat, aber wenig schätzt. L-  Wiß aus der langen 
Note des Lanzi zu ersehen, hatte Polidor einen mächtigen Ein- 
fluss auf die Neapolitaner, doch war dieser nicht von vortheilhafter 
Art; denn selten lind seine Arbeiten so klar und warm, wie jene 
Bilder in St. Elmo, sondern öfters liuster, roh und tlücbtig und die 
Fehler pflanzen sich leichter fort, als die Vorzüge. Q. 
5) Schöne Copie derselben von Penni in der Gallerie Sciarra 
Colonna zu Rom. 
        

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