Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1289691
Fünfter 
Zeitraum. 
Cortonisten. 
Nlaratta 
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lich mit sinkendem Tage dahin; ein hohes Fenster gegenüber 
begünstigte die Täuschung des Vordcr- und Hintergrundes. 
Corbi, der in andern Bildern weit hinter Gherardo delle 
Notti zurückblieb, würde in diesem so betrachteten wegen 
neuer Abstufungen und Wirkungen ihm vorgezogen werden 
müssen. Er arbeitete [viel für Landsleute und Auswärtige, 
ausser den Gemälden, die er unbeauftragt für die tägliche 
Nachfrage in Bereitschaft hielt, deren viele bei seiner Wittwe 
käuflich. sind. 
Cades ist besonders empfehlenswerth wegen seines Nach- 
ahmungstalents, das der Gesellschaft gefährlich wird, wenn 
Rechtschadenheit und Sitte es nicht begleiten. Kein Schrift- 
verfülscher hat alle Züge und Schwüuge der 24 Buchstaben 
so gewandt nachgemacht, als er, selbst unrenn-uthet, die Ge- 
sichter, das Nackte, die Bekleidung, den ganzen Charakter je- 
des belobten Zeichners nachahmte. Macht mir, sagten die 
grössten Kenner, eine Zeichnung in Michelangelfs, Rnf. 
i'ael's u. s. w. Art und Weise; und schnell führte er sie aus; 
verglich man sie dann mit einer uubezweifelt ächten dieses 
Künstlers und fragte, welches ist z. B. der wahre Buonar- 
roti, so wurden jene ungewiss, oder zeigten auch getäuscht 
auf Cades. Desshalb ward er sehr geehrt. Einst machte er 
eine Zeichnung nach llaffaePscher Weise, um den Vorsteher 
einer fürstlichen Gallerie zu enttäuschen, der sich für einen 
untrüglichen Kenner der Raffaelschen Hund ausgab; er liess 
sie ihm durch eine Mittelsperson mit einem Mährehen über die 
Abkunft der Zeichnung zukommen; dieser Kenner kaufte sie 
für 500 Zecchinen. Als Cades sie ihm dafür wiedergeben 
Wollte, weigerte sich der Andere und_behielt die Zeichnung; 
trotz allen Betheuerungen und angebotenen geringem Preisen. 
konnte er ihn doch nicht dazu bewegen, sie ward als unbe- 
streitbar ächt in eines der berühmtesten Europäischen Cabinette 
aufgenommen, wo sie vielleicht noch dafür gilt. Er erkannte 
dies Talent in sich schon in seinen frühesten Jahren, und bei 
Gelegenheit einer Bewerbung machte er eine Zeichnung von 
seiner Erlindung, ohne sich nach Corvi zu richten, der sie 
anders haben wollte, wesshalb er auch damals diese Schule 
verliess. Diese Zeichnung aber erhielt den Preis und ist noch 
in der Lukasakadeiuie vorhanden und berühmt. Auch im
        

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