Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1289152
Viert. Zeitr. 
Aufieben d. 
gutem Geschmacks mit Barocci. 
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Enkel des Caravaggio, schuf er sich in den Landschaften, 
wie er in grossen historischen Bildern das Düstere und Na- 
tiirliche des Schulenhauptes liebte, eine eigene Manier, nämlich 
meistens ohne Wahl sie wiederzugeben, oder vielmehr da min- 
der Reizende daran zu wühlen. Wilde Wälder, mit Dante 
zu reden, Alpen, Felsgeklipp, Hölen, von Dornen und Gestrüpp 
starrende Felder führt er dem Auge am liebsten vor; abge- 
stutzte, umgehauene, oder miswachsene Biiume malt er am häu- 
figsten; sogar in der Luft bringt er selten etwas lebhafte Farbe 
an, geschweige denn gar, dass er die Wirkungen des grossen 
Planeten darstellte, welcher die Erde erheitert. Einen verhält- 
nismiissig ähnlichen Geschmack behält er auch. in Seestücken 
bei. Bei dem allen ist sein Styl ganz neu und selbst durch 
das Schauerliche noch angenehm; gerade wie auch an Weinen 
da Strenge und Herbelnde dem Gaumen gefällt. Nicht wenig 
tragen dazu die Figürchen von Hirten, Seeleuten und beson- 
ders Soldaten bei, die er fast in jeder Landschaft anlirachte; 
wesshalb ihm auch von seinen Nebenbuhlern vorgeworfen ward, 
er wiederhole immer dieselben Gedanken und schreibe gleich- 
sam sich selbst ab. 
In diesen kleinen Figuren lobt man ihn mehr, als in den 
grossen, weil er in jenen mehr Uebung hatte. Er pflegte sie 
in Landschaften anzubringen und machte historischeläilder 
daraus, wie den so gelobten Attilius Regulus "im Hause Colon- 
na; oder launenhafte Zusammensetzungen, wie die Hexerejen 
auf dem Campidoglio und in vieleny Privatsammlungen. In ih- 
nen wühlt er nie, ist auch nicht immer schulgerecht, aber leb- 
haft, leicht, kräftig in Behandlung der Farbe, Alles zu einem 
Ganzen versehmelzend. Uebrigens hat er mehrmal gezeigt, dass 
sein 'l'alent nicht auf kleinere Verhältnisse beschränkt war. 
Einige Altartafeln von ihm sind gut gedacht und VOIl grosser 
Wirkung, besonders wo er schreckliche Gegenstände darstellt, 
wie im illartyrthum einiger Heiligen in S. Giovanni de' Fio- 
rentini zu Rom; und im Fegefeuer in S. Johannes der zerbro- 
chenen Häuser in hlailand und in der Kirche del Suifragio zu 
Matelica. Auch weltliche Gemälde haben wir von ihm mit sehr 
schönen grossen Figuren, wie die Verschwörung des Catilina in 
der Familie lllartelli zu Florenz, die auch B ottari für eines 
seiner bessern Werke erklärt. Rosa verliess Neapel in seinem 
I. Bd. H h '
        

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