Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288721
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
ganz Idealisten 9). Annibale lehrte die Natur nachahmeml 
durch die Idee veredeln, die Idee aber durch die Natur be- 
wahrheitet heben. Anfangs ward er als kalt und fade vcrschrieen, 
weil er nicht maaslos und ausgelassen, oder vielmehr, wen 
grosses Verdienst nie ohne grossen Neid war. Aber mag 
derNeid thun, was er nur kann und weiss, mag er sich drehen 
und wenden, mit Gönnerschaften , Freundschaften, Ranken 
und Betrug sich helfen die kleinliche Freude, einen verdienst, 
vollen Mann zu kranken, kann er zuweilen wol haben, nicht 
aber die Kraft, das Publicum zu verblenden, diesen unbesto- 
chenen Richter der Privatmänner, und stets von Fürsten ge_ 
achteten Berather. Die Gallerie der Farnesen ward eröffnet, 
und in ihr sah Rom etwas Grosses, das nach der Sixtinischgn 
Capelle und den Vaticanischen Zimmern als ein Drittes gelten 
konnte. Jetzt sah man ein, dass unter den vorigen Päpsgen 
Geld verschwendet worden war, die Kunst zu verderben , und 
dass das Geheimnis der VGrossen, sie wieder zu beleben, in 
zweierlei beschlossen liegt: gut wählen und Zeit geben. Daher 
kam bald, zwar zu spät, weil Annibale nicht mehr lebte, 
aber doch endlich, der Befehl Paul V., die Arbeiten unter die 
Bologner zu vertheilen. S0 nannte man damals die Cara cci und 
ihre Zöglinge, deren einer, Üttaviano Maseherini, sein 
(geschickterer) Baumeister war. So kam denn eine neue Gührung in 
die Römische Schule, welche die alte Ausgelasenheit, wenn nicht 
tilgte, doch grüsstentheils zurückwies. Das Papstthum Gre? 
gofs XV. Lodovisi dauerte nicht lange, war aber durch Ein_ 
gebung der Landsmannschaft für die Bologner höchst günstig, 
unter welchen man den Guercino da Cento achtete, wemh 
i 
oft in nicht naturgemiisser Farbe und einem willkührlichen Colorit 
darstellen. Wenigstens war letzeres bei Caravaggio oft der Fall; 
der durch dunkle Schatten und breite Lichter seine Bilder zu heben 
guchte. Q. 
3) Unter Idealisten versteht Lanzi solche Künstler, welche die 
Natur nicht zu Rathe ziehen und ihren Gestalten oft willkührlieh Ge_ 
walt anthun, um dadurch bestimmte Wirkungen zu erreichen. Das; 
in diesem Sinne die Benennungen: Naturalisten und Idealisten , ge, 
misbraucht werden, sieht man leicht ein, und Baron R u m oh r hätte 
nur nicht, indem er diesen Missbrauch bestritt, überhaupt der Philo- 
Sophie über Kunst den Krieg erklären sollen. Das Ideal der Kunst 
ist etwas ganz anderes, als was diesuchtexi, welche der Natur Ge, 
weit äHllWLF": 9-.
        

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