Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1284132
Vorwort. 
XI 
Die Werke über Malerei ergiessen sich in Klagen über 
Orl andi und Guariexiti, bloss weil dieser, bder jener 
unerwähnt blieb. Man schilt sie wohl gar in Kirchen, 
wenn der Wegweiser einer Stadt ein Altarblatt eines 
Bürgers unführt, der in den alphabetarischen Werken 
übergangen ist. Derlei Streitfragen nun wärmen die Er- 
läuterer Von Bildersammlungen bei jedem Gemälde auf, 
wo .ein in einem Buche nicht erwähnter Künstler unter- 
zeichnet steht. Dasselbe thun die Liebhaber von Kup- 
fern, wenn sie unten einen Namen finden, von welchem 
die Geschichte schweigt. Wollte man demnach die Stim- 
men hierüber sammeln, so würden weit mehrere zu Fülle, 
als zu strenger Auswahl rathen. Ferner würden alleMa- 
ler und Kunstfreunde jeder Stadt mich aufmuntern, so 
viele Mittelmässige unter ihren Landsleuten zu nennen, 
als ich nur könnte; denn die Wahl, wovon hier die 
Rede ist, gleicht der Gerechtigkeit, welche man nur so 
lange lobt, als sie in fremden Häusern geübt wird, 
wenn sie aber an unsere Thür pocht, immer verunglimpft. 
Wer also jeder Stadt gleich willfahren wollte, könnte 
gegen die Mittelmässigen in jeder nicht allzu streng seyn. 
Und dies darmn, weil das Mittelmässige zu verschwei- 
gen ein guter Redner strebt, ein guter Geschichtschrei- 
ber aber nicht gehalten ist. Selbst Cicero gönnte in sei- 
nem Buche von berühmten Rednern manchen minder be- 
gabten Sprechern eine Stelle; und nach seinem Vor- 
gange, bemerke ich, betrachtet auch die Literargeschichte 
jedes Volks nicht nur seine klassischenSchriftsteller, und 
die sich ihnen näherten, sondern sie giebt auch min- 
destens kurze und gedrängte Kunde von minder berühm- 
ten. S0 werden in der Ilias, dieser Geschichte der He- 
roenzeit, wenig hohe Heerführer, viel gute Krieger, 
sehr viel minder Tapfere vorn Dichter nur Hüchtig ge- 
nannt. In unserm Falle aber ist es noch weit nöthiger,
        

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