Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288681
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
sie lebten, iwei Quersäcke und ein Füssehen aufgebenkt, an- 
deres armseliges und dem Ort angemessenes Geriith, Alles ist 
wunderbar. Das göttliche Kind überrascht vielleicht am Wenig- 
sten, ist auch nicht vollendet. Unterdessen liessen die Urbina- 
ten auch die Kunst der geiirnisten Gefässe nicht sinken, worin 
besonders ein Rovigo gelobt wird. YVas man anfangs auf 
Porzellan malte, war in der Zeichnung armselig, im Colm-it 
aber achtbar, besonders wegen eines sehr schönen Roths, we1_ 
clies später ausser Gebrauch kam, entweder weil das Geheim- 
nis verloren ging, oder weil Roth nicht leicht zu den übrigen 
Farben stimmte. 
Zu der feinen Arbeit, wovon Vasari erzählt, brachte 
nian es erst um 1540. Dies Verdienst erwarb sich Oraziu 
Fontana aus Urbino, dessen Gcfässe wegen des trclllichen 
Firnisses, der Figuren und der Formen vielleicht dem, was wir 
aus dem Alterthum haben, noch vorgezogen werden können, 
Er übte seine Kunst an mehrern Orten des Staats, besonders 
aber in Castel Durante, "heut zu Tage einer Stadt Urbania ge_ 
nannt, wo eine sehr leichte und zu derlei Arbeiten sehr brauch- 
bare Erde war. Mit ihm arbeitete sein Bruder Flamminio, 
der später vom Grossherzog  nach Florenz bem- 
fen die gute Art der Gefässmalerci einführte; eine Kunde, die 
uns eben Lazzari giebt, wofür ihm die Florentiner Kunstge- 
schichte Dank wissen muss. An dem in Urbino entstandenen 
guten Geschmack hatte der Herzog Guidobaldo viel Theil, ein 
Fürst, der die schönen Künste sehr liebte und die Fabrik stif_ 
tete, wie auf seine Kosten erhielt. Er überliess den lllalem 
inicht, Zeichnungen zu machen, sondern schrieb ihnen vor, 
Kupferstiche nach tüchtigen Künstlern, besonders nach Raf_ 
fael, zu brauchen; auch licss er mehrere noch nicht bekannte 
Zeichnungen Sanziws, woran er reich war, anwenden. Da- 
her heissen diese irdenen Gefiisse oder Töpferwaaren Raf- 
faclsschüsseln; und daraus sind manche Mährchen entstan- 
den, die man von seinem Vater und ihm selbst erzählt; so wie 
der Zuname des Bechermachers von Urbino 22), den dieser 
22) Einen zweiten Grund dieser Benennung finde ich im Namen 
des Raffael Ciarlß, der, weil er einer der vorzüglichsten Maler 
dieser majolischen Gefässe war und auf Befehl des Herzogs eine
        

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