Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288358
Zweiter 
Zeitraum. 
Raifael 
und 
Schule. 
seine 
401 
und Schüler zog, unter welche M0 rale s 90), von seinen Lands- 
leuten der Göttliche genannt, gezählt wird. Er übte ich in 
kleinen Bildern, die nachher eifrig von den Engländern ge- 
sucht und, in ihr Vaterland gebracht, für selten und kostbar ge- 
halten wurden. Etliche grosse Altarblätter sind in Sevilla; als 
die geachtetsten nennt man die Reinigung in der Cathedrale, 
und die Abnahme vom Kreuze zu S. Croce. Dieses Bild be- 
trachtete und studirte Morillo, ein wahrhaft grosser Maler, 
immer wieder, der, auch nach den Schulenhäuptern Italiens be- 
trachtet, nicht nur Beifall, sondern Bewunderung und Staunen 
weckt. Als man diesen fragte, warum er auch in seinen spä- 
tern Jahren immer wieder zu diesem Gemälde kehrte, antwor- 
tete er, „ich wnrte auf den Augenblick, wo Christus vollends 
vom Kreuze herabkommt." 
Auch von einem Mosca, ich weiss nicht ob einem Ita- 
liener, oder Ausländer, habe ich gehört, als muthmasslichem 
Zögling dieser Schule. Der Christus, der nach Golgatha geht, 
jetzt in der Akademie zu Mantua ist allerdings Raffaeliseh, 
möchte aber eher ihn als Nachahmer Sanziws rechtfertigen. 
In der Londoner Ausgabe des Palomino von 1742 finde ich 
einige andere für Schüler RaffaePs ausgegeben, die kurz 
vor, oder auch nach 1520 geboren ihm nicht angehören konnten; 
wie Gaspare Bacerra, Vaarüs Gehülfe, Alfonso San- 
ches, ein Portugiese, Gio. di Valenza, Fernando Jan- 
nes. Dergleichen Beispiele kommen oft in der Geschichte der 
Ilialerei vor, wie ich so oft bemerken muss; meistens sind es 
Stimmen des vorigen Jahrhunderts. Als man überall anfing 
Nachrichten von alten Malern zu sammeln, hielt man" sich an 
ihren Styl; und als könne der Menschengeist nichts, was er 
nicht durch mündliche Lehre lerne, ward jeder Nachahmer ein 
Schüler des Nnchgeahmten, und jede Schule glaubte ihre Ent- 
stehung glänzender und herrlicher zu machen, wenn sie Namen 
grosser Künstler dazu zählte. 
80) Der göttliche Morales Perez war von Barlajoz. Der 
Fleiss, welchen er auf seine Gemälde wendete, war so gross, dass 
die Summen, welche für seine Werke gezahlt wurden, ihm Zeit_ und 
Mühe nicht. ersetzen konnten und Morales ward bewundert, blieb 
aber arm. Philipp ll , König von Spanien, sah ihn und erbarmte 
sich seiner und sorgte für seinen Unterhalt, als sein Alter ihm lllr 
Arbeit die Kräfte geraubt.  
  
l. Bd. C c
        

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