Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288207
9.85 
Drittes 
Buch. 
Rölnische 
Schule. 
den geheilten Kranken hin. Er steht ganz freudenvoll vor den 
Aposteln, hebt entzückt die Hände auf zu den Befreiern, hat 
zu seinen Füssen die nun unnütz gewordenen weggcworfeneil 
Krücken. Dies [hätte einem Andern genügt; Sanzio aber, 
der die Anschaulichkeit und Vergegenwärtigung auf die Spitze 
treiben wollte, setzte nun noch eine umgebende Vßlklilllßllgß 
hinzu, welche ihin den Saum des Kleides etwas aufhebt und 
neugierig die in ihren frühem Zustand versetzten Beine be_ 
trachtet. Derlei Beispiele finden sich bei R. in Menge, und 
es geht einem mit ihm, wie mit manchen classischen Schrift- 
stellern, welche, je länger studirt, desto mehr Stoff zum Nagh_ 
denken geben. lch begniige mich, in RaffacPs Erlindun- 
gen das angedeutet zu haben, was am wenigsten beobachtet 
und doch das Schwerste ist; die Bewegung der Leidenschaften, 
die ganz das Werk des Ausdrucks ist, das Vergnügen an dich- 
terischen Erlindungen , oder anmuthigcn Nebcnhamllungcn, 
sprechen gewissermaßen für sich selbst und, beilürfen keiner 
Hinweisung. 
Man könnte in seinen Erfindungen noch mehr erwägen, 
wie die Einheit, die Brliabenheit, die Sitte, die Gelehrsamkeit, 
und man brauchte gar nicht weit danach zu suchen. ausser den 
allerliebsten kleinen Dichtungen, womit er Leo's X. Siinlengayyg 
verzierte, die von Lanfranco und Bnilalocchj gestochen 
RaffaePs Bibel heissen. Wer erkennt nicht z. B. in Ja_ 
kobs Rückkehr unter der Menge von Thieren, Diencrn, Frauen, 
welche kleine Kinder mit sich führen, nur Eine Familie, die 
lange an Einem Orte gelebt hat und nun mit Allem, was sie 
hat, sich nach einem andern begiebt? Ist nicht in der Welt- 
Schöpfung der Schöpfer, der, die Arme ausgestreckt, mit einer 
Hand die Sonne, mit der andern den Mond berührt, etwas 
Erliahene, das mit dem einfachsten Ausdruck die grösste Idee 
weckt? Und wie konnte in der Anbetung des Kalbes eine 
frevliche, der wahrhaft frommen Gottesverehrnng entgegenge- 
setzte besser dargestellt werden, als durch eine von unsinnige;- 
Freude trunkenc, verworrelne, scliwärmerische lllenge? Die Ge- 
"lehrsamkeit nun anlangend, darf man nur Davids Triumph 
anführen, welchen Taja beschreibt, mit den alten Basreliefs 
vergleicht, und an Kunst und llleisterschaTt allen alten Mar- 
morarbeiteu verzieht. Ich weiss wohl, dass R. nicht ganz
        

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