Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288196
Zweiter 
Zeitraum. 
RaiTael 
und 
seine 
Schule. 
385 
behauptete Algarotti; man könnte ihm aber den dritten 
Bogen des Vaticanischen Säulengangs dagegen anführen, wo 
eine Säulenperspective ist, die, wie Taja sagt, von unten auf. 
wärts geht. In grössern Werken zwar ersparte er sich der- 
gleichen, und stellte sich, um nicht in Unnatur zu verfallen, 
die Bilder wie auf einem Teppich vor, der an der Decke be- 
festigt ist. 
Alle bisher erwähnte Vorzüge aber Würden R. nicht so 
berühmt gemacht haben, hätte er nicht  was die Krone sei- 
ner Verdienste ist  eine wundersame Kraft gehabt, "Geschich- 
ten und Erlebnisse zu ersinnen und anordnend zu vertheilen. 
ln der Thatviibcrtraf er hierin Alles, was er Neues und Altes 
gesehen, und ist von keinem Andern erreicht worden. In je- 
dem Bilde thut er, was ein Redner thut: er belehrt, bewegt, 
ergetzt. Das Erste ist für einen Erzähler leicht; er kann in 
gehöriger Ordnung den ganzen Verlauf einer Sache darlegen. 
Der Maler dagegen hat nur einen Moment, sich deutlich zu 
machen; und sein Streben muss dahin gehen, nicht nur was 
geschieht, sondern auch was geschehen soll und, was noch 
schwieriger, was geschehen ist, begreiflich zu machen. Hier 
nun ist R. uniibertreiilieh. Er treibt die Anschaulichkeit so 
weit, als nur möglich. Unter tausend Umständen wählt er nur 
die bedeutendsten; er stellt die Handelnden in den ausdruck- 
vollsten Bewegungen auf; findet die eltensten Momente auf, 
mit Wenig-cm viel zu sagen; hundert kleine Beziehungen, alle 
zu einen; Begebnis verbunden, machen den ganzen Gegenstand 
verständlich, ja handgreiflich. Mehrere Schriftsteller haben 
diessfalls den heil. Paulus zu Lystra auf einem der Teppiche 
im Vatican angeführt. Der Künstler, hat dort das jenem und 
seinem Gefährten Barnabas, wie zwei Göttern, zubereitete 
Opfer dargestellt, als er einem Lahmen den Gebrauch seiner 
Beine wieder möglich gemacht. Altar, Priester, Opfer, Pfei- 
fer, Opfermehl, Beile zeigen hinlänglich, was die Lystrenser zu 
thun im Begriff sind. Paulus, der die Kleider zerreisst, genügt, 
um deutlich einzusehen, dass er diese kirchenräuberisehe Ehre 
ablehnt, sie verabscheut, dem Volke mit allem Nachdruck mis- 
räth. Aber dies alles war nichts, wenn das gethane Wunder, 
welches zu dem Ganzen Anlass gegeben hatte, nicht angegeben 
wurde. Und so' stellte er denn leicht vor allen zu erblicken 
I. Bd. B b
        

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