Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288161
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
ren  Der Held gebürdet sich wirklich wie ein Held, der 
Gemeine wie ein Gemeiner, und was keine Sprache, keine 
Feder beschreiben könnte, veranschaulicht RaffaePs Geist 
und Kunst in wenig Ziigen. Vergebens haben sich Viele ver- 
sucht, ihm nachzuahmen; seine Gestalten scheinen von G151 
fiihl und Seele bewegt; andere dagegen, Poussin und wenig-g 
andere ausgenommen, durch Nachahmung, wie tragische Schau- 
spieler. Das ist eben das höchste Verdienst Raffaelßs, den 
er die Seele, das Gcmüth so treiilich malte, Wenn mit dieser 
Fiihigkeit sich nun noch das schwierigste, das Wissenschaft. 
liche, das Erhabenste der Kunst verbindet, wer möchte mit ihm 
um den Preis ringen?  
Eine andere Eigenschaft besass R. in hohem Grade, die 
Anmuthm); auch eine Gabe, welche die Schönheit gewisser- 
massen würzt und schöner macht. Apelles, der sie unter 
den Alten vorzugsweise besass, erhob sich desshalb über jedgn 
andern Künstler 62). Unter den Neuern eiferte ihm hierin R_ 
nach und erhielt darum den Zunamen des neuen Apellem 
Die Formen seiner Kinder und anderer zarter Körper, die er 
darstellte, vertrugen wol einen Zusatz; ihre Anmuth keinen, 
der nicht, wie bei Parmigianino, in Ziererei ausartega 
Seine Madcnnen bezaubern, wie Menge bemerkt, nicht weil 
sie so vollkommene Züge, wie die Mediceisehe Venus, oder dia 
gerühmte Tochter der Niohe haben, sondern weil der Maler in 
diesen Angesichtern, diesem Lächeln die Bescheidenheit, dile 
Kindesliebe, die Seelenreinheit, mit einem Worte die Anmuth 
und Holdseliglceit veranschaulicht. Und nicht bloss über die 
Gesichter ist sie ausgegossen, auch über Stellungen, Gebärden, 
Bewegungen, Gewandung, mit einer Unbewumlenheit, die man 
wol erkennen, [aber nicht nachmachen kann. Die Leichtigkeit 
selbst, womit sie sich ankündet, ist ein Theil dieser Anmuth; 
sie hört auf, wo Mühe und Anstrengung eintritt; und wie an 
einem Sprecher, so ergetzt auch an einem Maler die natür- 
GÖ) Hierin liegt eben das Ideale im Realen, das Allgemeine ilil 
Besondern, Q- 
61) Anmuth heisst Antheil, den das Gemüth an einem Gegenstand: 
nimmt und weckt.  Q- 
xxxV, w. 
Quinclil. 
Inst. 
XII, lO.
        

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