Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288125
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
Liebe und Bewunderung er so viele Jahre gewesen war. Doch 
davon wird an einem andern Orte die Rede scyn. Hier sollen 
einige Bemerkungen über seinen Styl beigebracht werden , wir, 
ich sie aus mehrern Schriftstellern, besonders aus Mengs, ge- 
sammelt, der ihn in den von mir bereits angeführten und an- 
dem Werken zergliedert hat.  
Es ist wol jetzt allgemein angenommen, dass Raffael 
der Fürst seiner Kunst ist, nicht Iweil er in jedem Theile 
derselben jeden Andern übertrifft, sondern weil kein Anderer 
alles in dem Grade in sich vereinte, wie er. LazzarL- 
ni bemerkt, dass er auch in Fehler verfiel; dessenungeneh- 
tet ist er doch der Erte, weil er weniger, als Andere be- 
ging; dennoch muss. man gestehen, dass seine Fehler an Au_ 
dernTugemlen sind, Weil e gewöhnlich nur Mängel an höherer 
Vollkommenheit sind, die er erreichen konnte. Die Malerei um- 
fasst so viele und so schwere Theile, dass durchaus Niemand 
sich für den Höchsten in jedem ausgeben konnte. Selbst 
Apelles stand demAmphion in Anordnung und Einklang, dem 
Asklepiodorus in den Verhältnissen, dem Protogenes in 
Fleisse nach. Plin. XXXV, 10. 
RaffaePs Zeichnung auf jenen Blättern, welche jetzt 
die Sammlungen schmücken und farblos, so zu sagen das 
Bildnis seiner Einbildungskraft rein und schlicht wiedergeben, 
welchedäestimmtheit der Umrisse bietet sie dar, welche An- 
muth, welche Reinlichkeit, welchen Fleiss, welche Obmacht! 
Eine der bcwundertsten, die sogenannte Verläumduxig des 
Apclles 54), sah ich ehmals in der herzoglichen Gallerie zu 
Modcna, vollendet und unschiitzbar. Sie verbindet die Errind- 
samkeit des besten Griechischen mit der Ausführung des besten 
ltalischen Malers. Man hat darüber streiten wollen, ob Raf- 
fael dem Michelangelo in der Zeichnung nachstchle; 
Mengs selbst giebt es zu hinsichtlich der Theorie der hing- 
kein und des starken Charakters; aber darum darf man nicht, 
wie Vasari, sagen, dass er, um zu zeigen, er verstehe das 
54) Ein Stich in Helldunkel von Nie. Cocchin unü Nie. le 
Sucur nach einer Zeichnung im Cnbinet, Cruzzn. sielll die Yerlaum- 
dung dar, welche Rnffagl angeblich nach einem Gemälde von 
A p el l es zeichnete. Q-
        

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