Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288119
Zweiter 
Zeitraum. 
Rafael 
und 
seine 
Schule. 
377 
bei diesem Anblicke nicht geweint hätte. Er hatte sich immer 
so betragen, dass er alle Herzen gewonnen. Hochachtungsvoll 
gegen ÄCII Meister, erbat er es vom Papste, dass dessen G-e- 
miilde an einer Decke der Zimmer des Vatieans unberührt blie- 
bcn; gerecht gegen seine Nebenbuhler, dankte er Gott, zu 
BuonarrotPs Zeit geboren zu seyn; huldig gegen die 
Schüler, bclehrte und liebte er sie, wie Kinder;' artig auch 
gegen Unbekannte, diente er Jedem, der sich bei ihm Raths 
erholen wollte; und um für Andere Zeichnungen zu machen, 
oder ihnen Anleitung zu geben, liess er- zuweilen seine eigenen 
Arbeiten liegen, weil er nicht nur keine Gefälligkeit versagen, 
sondern nicht. einmal aufschieben konnte. Alles dessen ge- 
dachten sie jetzt; bald weilten ihre Blicke auf der jugendlichen 
Hülle und den Händen, welche malend die XVerke der_ Natur 
überboten hatten, bald auf diesem letzten Gemälde, welches der 
Anfang eines neuen wundervollen Styls schien; und es schmerzte 
sie, dass mit RaffaePs Leben so schnell auch die schön- 
sten Hoffnungen für die Kunst dahin schwanden. Der Papst 
weinte und befahl Bembo, ibm die Grabschrift zu machen, 
die man auf seinem Grabe lieset; Italien und die Welt weinte, 
wie über ein allgemeines Unglück. Wohl zwar betrafen Rom 
und den Kirchenstaat bald darauf so schwere Leiden, dass 
Viele ihn eben so seines glücklichen Lebens, als seines so giin-b 
stigen Todes neideten. Er sah nicht Leo X. durch frevlichen 
Verrath, gerade als er den Künsten am meisten nützte, ver- 
giftet scheiden; nicht Clemens Vll. von einer wüthenden Hee- 
resmacht gezwungen, sich in der Engelsburg zu vcrschliessen, 
dann flüchtig und unsicher seinen Stuhl verändern, und theuer 
die Freiheit von denen erkaufen, welche. seiner Würde und sei- 
nes Lebens Beschützer seyn sollten Er sah nicht die grau- 
same Plünderung Roms, nicht die in ihren Hiiusern angefalle- 
nen und beraubten Grossen, nicht die in ihren Klöstern über- 
fellenexi und geschiindeten heiligen Jungfrauen, nichtdie wü- 
tbend zum Galgen geführten Priilaten, nicht die von den bei. 
ligen Altüren und den umklammerten Standbildern der Heiligen 
hinweggerisscxien Priester, hier erdolcht, ihre Leichname aus 
den Kirchen geschleift und den Hunden überlassen. Endlich 
sah er nicht von Brand und YVaden entstellt die Stadt, die er! 
durch seinen Genius nur sehcnswiirdiger gemacht, deren Zierde,
        

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