Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288109
375 
Buch. 
Drittes 
Römische 
Schule. 
in einer Capelle des heil. Petrus in Montorio. Als nachher 
Raff ael ein Bild für den Card. Julius den Mediceer, nachma- 
ligen Clemens VIL, zu malen hatte, malte Sebastiano wie 
zur Mitbewerbung ein anderes von gleicher Grösse; dieser 
malte die Wiederuuferstehung des Lazarus, jener in dem ge. 
wohnten Nacheiferungsgeiste die Verklärung des Herrn  
Dies ist ein Werk, welches, wie Mengs sagt, weit mehr Schü- 
nes, als alP seine frühem Bilder, hat. Der Ausdruck ist ed- 
ler und zarter, das Helldunkel besser, die Abstufung wohlver. 
stnndener, der Pinsel feiner und bewundernsivürtliger, in den 
Gewändern mehr Manniehfaltigkeit, in den Köpfen mehr Schön- 
heit, im Style mehr Adel  Er stellte das Geheimnis auf 
dem Gipfel des Tabor vor; unten arn Fusse des Bergs einen 
Haufeh Jünger, sehr sinnreich jeden in einer seiner Macht an- 
gemessenen Handlung, so dass dies Zwischenspiel nicht an 
WVahrscheinlichkeit verlöre. Es wird ihnen nümiicli ein beses- 
eenes Kind vorgeführt, aus welchem sie den Dämon tYuilJen 
sollen; und so hat (r in der Wuth desselben, in der Zuver- 
sicht des Vaters, in der Betrübnis eines schönen Mädchens, in 
dem Mitleid der Apostel, die rührendste Begebenheit dargestellt, 
Dennoch aber ergreift sie nicht, wie die Haupthandluxlg auf 
dem Berge. Hier sind die beiden Propheten Vund die drei 
Jiixiger bewundernswiirdig; noch mehr aber der Heiland, in 
welchem man jene Heitere und ixliarheil: des ewigen Lichtes, 
jene Feinheit, jenes Göttliche zu sehen meint, das die Auge" 
seiner Erwählten beseiigen soll. Dies Gesicht, worin er alias 
Schöne und Hehre vereinte, was er konnte, war das letzte 
der Kunst und der YVerke RaffaePs. 
Von nun an ergriff er keinen Pinsel wieder. Von eine: 
tödtliclierx Krankheit überrascht, starb er christlich 1520, im 
37stcn Jahre am Charfreitage, der auch sein Geburtstag war53t_ 
Dies grosse Bild ward in dein Säule, wo er zu malen pflegte, 
mit läfililßm Leichnam ausgestellt, elf er in die Kirche della 
Rotunda gebracht wurde. Kein Künstler war so herzlos, der 
51) Stich v. B. Morghen.  
52) RMCSSIDIIÄ snpra 0' lrg 51'221: pill, 
53) S: Not. 3. 
        

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