Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1288015
Zweiter 
Zeitraum. 
Raifael 
und 
seine 
Schule. 
367 
Wir wollen den Leser nicht mit langen Streitfragen be- 
helligen. Für Michelangelom Ruhm war es ein grosser 
Vortheil, dass er zwei Schüler hatte, die, als er noch lebte 
und Raffael schon todt war, sein Leben schrieben; was Raf- 
faelen nicht widerfuhr. Hätte er noch gelebt, als Vasari 
und Condivi ihre Werke herausgahen, so würde er wol nicht 
geschwiegen haben. Er hätte dann leicht (largethan, dass, als 
Buunarroti nach Florenz floh, also 1506, er nicht in Rom 
war, und erst zwei Jahre nachher dahin berufen wurde, mithin 
die (Älemillmle in der Sistina nicht heimlich sehen konnte. Er 
hätte gezeigt, dass er von 1508 an, als Michelangelo viel- 
leicht noch nicht Hand an sein Werk gelegt, bis  wo 
er die erste Hälfte aufgedeckt zu haben scheint 30), immer auf 
grossartigern Styl hinarbeirete, und wie Buonarroti diesen 
durch Studium des Belvederesehen Torso, so er durch Studium 
desselben und anderer Marmorwerke") anstrehte, deren Zeich- 
nung in seinem Style wiederzuerkcnnen ist. Er hätte Va- 
sari fragen können, worein er denn die Grösse und illäjestät 
des Styls setze, und ihn aus dem Beispiele der Griechen,' wie 
durch vernünftige Gründe belehren, dass das Grosse nicht in 
den xnuseulösen Glidlern, oder in wilden Gebärden bestehe, 
sondern, wie auch Mengs bemerkt, in Hervorhebung der 
grossen Theile, Beseitigung der mittelmiissigen und kleinenn) 
und in Anregung erhabener ldcen. Daher hätte er ihm theil- 
Weise das Grosse der sogenannten Schule von Athen in dem 
majestätischen Gebäude, in den Umrissen der Figuren, im 
Wurfe der Gewänder, in der ernsten Würde der Gesichter und 
Gebärden, und die Quellen dieses Erhabenen in den Ueber- 
bleibseln der Alten nachweisen können. Schien er im Jesaias 
grösser, so hätte er Vasari durch die Geschichte widerlegen 
können, die dies Werk vor 1511, und also als gleichzeitig mit 
30) S, CrespPs ersten Br. Lclt, pitt.  II. p. 338- L. 
31) Zliengs bemerkt, Raffael habe: die Basreliefs am Triumph. 
bugen des Tilus und Uonstautinus studirt, die am Bogen des 
Trnjarlus waren, und danach besonders die Gelenke und knuclnen 
bezeichnet, wie die Unnrisse des Fleisches einfacher und leichter ge. 
halten. S. Rfjlessiavzi sopra i lrc grau p-illuri ecc. c, l, L. 
32) Rijlass. sulla bellezza e sul gusta della pillura. P. IIT- C. l- 
S. auch Azaraf s Bemerkungen dazu. L.
        

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