Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287986
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Drittes 
Buch. 
Römische 
Schule. 
zunft auszudrücken. Es sind Spuren des Alten darin; zu den 
Heiligenscheinen und andern Verzierungen wird Gold gebraucht; 
die Glorie oben ist nach Art der schon erwähnten des heil. 
Severus; die Zusammenstellung ist symmetrischer und minder 
frei, als sonst; und das Ganze, verglichen mit den übrigen 
Bildern, scheint kleinlich. Betrachtet man aber jeden Theil 
für sich, so findet man alles so fleissig und Wunderbar aus- 
geführt, dass man dies Bild sogar allen übrigen vorziehen ge- 
wollt hat. Man hat jedoch auch bemerkt, dass Raffael es 
von der rechten Seite begann, und als er an die linke kam, 
schon ein grösserer Maler war. Dies Werk muss um 1508 
gemalt seynP-z) und überraschte den Papst so sehr, dass er 
Alles, was Bramantino, Pier della Francesca, Signo- 
relli, der Abt von Arezzo, Sodoma (von welchem jedoch 
die Verzierungen blieben) gemalt hatten, abhauen liess, da- 
mit Alles in diesem Zimmer nur von S a n z i 0 ' s Hand 
Wäre 23).  
Bei den übrigen Arbeiten, also von 1509 an, ist nicht 
mehr von altem Style die Rede; Raffael hat schon einen 
grössern gefunden und vervollkommnet sich darin von nun an 
immer mehr. Hier war nun gegenüber die Philosophie darzn- 
stellen. Er denkt sich eine Lehranstalt, wie einen Tempe], 
und vertheilt darin, oben, auf den Stufensitzen, und auf tie- 
ferem Boden die Gelehrten der Vorzeit. Hier kam ihm mehr, 
als sonst, sein Petrarca zu Statten und der dritte Gesang 
der Fama. Plato, "der in jener Schaar dem Ziele nähe;- 
schritt, " ist da im Begriif mit dem Aristoteles „voll Verstand" 
zu streiten; und sie nehmen in dieser Composition die wür- 
l 
22) Hier kommt I. snzi aus Gelehrsamkeit in Widerspruch mit sich 
selbst. In der Note, wo er Malvasiß anführt und die Aechtheit 
des Briefs, welchen Raffael an seinen Oheim schrieb, bezweifelt, 
meint Lanzi, dass Raffael erst 1510 nach Rom gegangen sei. 
Wie könnte er also 1508 schon im Vatican gearbeitet haben? Jener 
Brief ist aber gewiss ächt und Raffael war bereits vor 1510 in 
ROH]. Q0 
23) Dies Gemälde wird h: Dispute genannt. Raffael stellte in 
llieSeln Saale in zwei Bildern symbolisch die Offenbarung der Wi- 
senschaft gegenüber. Die Dispute: ist das symbolische Gemälde der 
Offenbarung, und das Gegenstück, das speculative Erkennen, die Wis- 
senschaft, wird die Schule von Athen genannt. Beide Bilder sind 
von Volpato gestochen, Q.
        

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