Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283299
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1287972
Zweiter 
Zeitraum. 
Baffael 
und 
seine 
Schule. 
363 
Gegenstände der Religion, Kriegsthaten, welche in der Welt 
Frieden und Treue begründeten, vergangene Ereignisse, welche 
den Ruhm zweier Päpste beleuchteten, erstens Julius, dann 
Lec des X., des grössten Beschützers und feinsten Kenners 
der Künste. Vcrtheilhafteres kann sich einem hchren Geiste 
nichts bieten, sich zum Erhabenen aufzusehivingen. Augustus 
zu besingen war eine Aufgabe für die Dichter seiner Zeit, 
Welche darum Wunder der Dichtkunst hervorbrachte. Pro- 
pertius, der nur das Haar, die Augen und den Zorn seiner 
unglücklich geliebten Cynthia zu besingen gewohnt war, fühlte 
einen ganz andern Dichtergeist in sich, als er Augustus und 
seinen Sieg besang, und bat selbst Jupiter mit neuer Kühn- 
heit, so lang Cäsar besungen würde, zu feiern (4,  Und 
gewiss erregen so grosse Aufgaben in einem ideenreichen Geiste 
einen Aufruhr schon vorhandener sowol, als neuer Ideen, ru- 
fen wunderbare, ungewohnte Gegenstände in ihm herauf, ban- 
nen sie fest vor ihn hin, und vermögen ihn, sie so kräftig 
und sichtlich wiederzugeben, wie er sie anschaut. So entsteht 
in genialen DlClltCYll und Künstlern das Erhabene. 
Bei seiner Ankunft, sagt Vasari, erhielt Raffael ein 
Zimmer zu malen; es war das damals sogenannte Gerichts- 
zimmer (della segnatura), von den Malern auch das der Wis- 
senschaften genannt. An der Decke sind die (Theologie, die 
Philosophie, die Poesie und die Rechtsgelehrsamkeit dargestellt. 
Jede hat auf der ihr nächsten Antlitzseite eine grosse auf sie 
bezügliche Begebenheit. An den Socken sind auch auf die- 
selben Wlissenschaftcn bezügliche Vorfälle; und diese kleinem 
Werke, und die hier und da vertheilten Karyatidcn und Tela- 
monen sind Monoclzromc; ein Gedanke, der ganz Raffael ge- 
hört, wie man sagt, von Polidoro da Caravaggio ausge- 
führt. Er begann mit der Theologie, und ahmte Petrarea 
nach, der wie in einem Gesicht Menschen Eines Standes, 0b- 
wol aus verschiedenen Zeitaltern sah. Er versetzte dahin die 
Evangelisten , in deren Büchern der Grund der Theologie ist; 
die heiligen Lehrer, welche ihr die Uebcrlieferurlg darreichen; 
die Theologen, den heil. 'l'homas, Bdnwentura, Scotusi und 
Andere, die ihre Streitfragen abhandeln; höher die Drcieinig- 
kcit unter den Seligcn, und darunter auf einem Altar die 
Eucharistie, um gleichsam das Geheimnis dieser Wissenschaft-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.